Felix Johannes Hermann Stumpf

Eine Frage des Standpunktes

2019

Preisträger und Kunst am Bau Realisation 2019
Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin (Architekt: Ortner&Ortner)
Edelstahl, lackiert
13m x 3,3m x 3,3m
Betreuende Architekten Dilling und Euler Berlin
Produktion und Montage Fischnaller Südtirol

Pressemitteilung vom 01.07.2016
Eine 13 Meter hohe Plastik aus einzelnen Stahlprofilen in Weiß und Schwarz, die von der Zinnowitzer Straße aus das von den Studierenden verwendete Protestsymbol für den neuen Zentralstandort — die schwarze Strichzeichnung eines Hauses – sichtbar werden lassen und im Stadtraum künstlerisch markieren. Das Preisgericht würdigt den Entwurf als ortsbezogene Setzung, der insbesondere die Entstehungsgeschichte des Bauvorhabens berücksichtigt. Das — je nach Standpunkt der Betrachter — wahrnehmbare Wechselspiel aus formaler Offenheit und konkreter Bedeutung wird der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in besonderer Weise gerecht. (...)

Proteste brauchen Symbole!
Proteste brauchen Kulisse!

Ein ästhetisches „Protestsymbol„ dient als Grundlage des künstlerischen Entwurfsgedankens. Es ist ein einfach konstruiertes abstrakt dargestelltes Haus, das den Neubau und die Architektur darstellt. Die Symbolik des Protestes, das schwarze Haus, ist auf allen Bildern und Videos der Proteste zu finden. In der Skulptur ist es zu erkennen als das Symbol für den Neubau. Daraus entwickelt sich eine Plastik, die sich nicht nur alleine präsentiert, sondern einen Dialog zur Architektur des Neubaus und der Umgebung eingeht.

Die Skulptur besteht aus einzelnen immer wieder aufbrechenden Elementen. Im Miteinander „wächst“ aus ihnen ein neuer Raum. Dieser formale Akt zeigt den Geist der Gemeinschaft, die im Verlauf der Proteste entstanden ist. Aus vielen einzelnen Teilen wächst etwas Großes! Es wächst wie ein Baum. Dabei entstehen verschiedene Zweige und Wege. Diese Symbolik steht für den Verlauf der Proteste und für ein Netzwerk das in der Ausbildung der Studenten an einem gemeinsamen zentralen Standort entsteht.
Die Komposition der Skulptur implementiert Bewegung und ist damit dicht an das Thema Schauspiel gekoppelt. Sie zeigt, dass nie etwas zu einer vollendeten Form finden wird. Deshalb immer unvollendet bleibt. So stellt sie die Bereitschaft zu protestieren und eine ständige Selbsthinterfragung dar.
Aus einem bestimmten Blickwinkel (Anamorphose) betrachtet offenbart sich das Symbol des Protests. Dies geschieht von der Zinowitzer Straße aus. Eine Verbindung zwischen Skulptur, Baum und der Holzfassade des Bühnenturms, in dessen modular aufgebauten Holzkonstruktion das „Protestsymbol“ bei genauer Betrachtung zu finden ist, entsteht. Ohne Farben, nur mit der unbunten Farbgebung in Schwarz – Weiß, den vorherrschen- den Farben der Proteste, erhöht sich die Symbolwirkung.