Marisa Maza

Ni Para Ya - Ni Para Ca

2019

Ni Para Ya - Ni Para Ca _weder Hier noch Dort -fluide identitäten

(zweiter Teil: RE-Xpedition II) beschäftigt sich mit der Verknüpfung von Gender, kolonialer Vergangenheit und postkolonialer Gegenwart in Kolumbien. Das Zentrum des Ausstellungsprojektes bildet eine Rauminstallation, die gängige Perspektiven auf diese Themenkomplexe hinterfragen und visuell beziehungsweise affektiv erweitern will.

Sie besteht aus zwei Videoarbeiten "Michel" porträtiert eine afrokolumbianische Transgender-Aktivistin, Michel Calendaria, deren Geschichte die Biografie von Catalina de Erauso "la monja Alferez" (1585-?) gegenübergestellt wird.  Catalina de Erauso verließ als junge Nonne im 16. Jahrhundert ihr Kloster in Spanien. Als Mann verkleidet reiste sie in die spanischen Kolonien Lateinamerikas, wo sie als Soldat für die Kirche und die Kolonialregierung kämpfte. "Michel" musste wegen ihrer Geschlechtsidentität ihre Wohn- und Familienstrukturen verlassen. Sie schildert ihre persönlichen Erfahrungen zwischen Gewalt und gesellschaftlicher Ausgrenzung, individueller Akzeptanz und subkultureller Selbstermächtigung. Dabei plädiert sie für eine Existenz fernab aller Gender-, Klassen- und ethnischen Stereotype. Anhand von Michels Geschichte beleuchtet das Projekt, wie eine Aktivistin der LGBTIQ-Szene in Bogotá ihre Position im öffentlichen Raum Bogotás erfährt und in der kolumbianischen Gesellschaft behauptet.

Das Videoarbeit "Amazonas_ El Dorado" wird das Publikum Teil einer Kamerafahrt durch das Amazonasgebiet zwischen Kolumbien, Peru und Brasilien. Auf der Suche nach Gold führten die Expeditionen der spanischen Kolonisierenden durch das „El Dorado“ häufig ins Nichts. Ihre kopfüber erzeugten Bilder erzwingen einen Perspektiv wechsel, gleichzeitig scheint sich eine Traumwelt zu eröffnen, die zu einer alptraumhaften Landschaft und Situation ohne Möglichkeit des Entkommens wird. Die Kamera führt vom Fluss zu überflutetem Land über ein Gebiet, in dem die indigene und afrokolumbianische Bevölkerung jahrelang in einer Ausnahmesituation zwischen Guerilla und Paramilitärs lebte und heute von Umweltkatastrophen bedroht wird.
Die "Slackline" im Raum bietet den Betrachteden die Möglichkeit, sie aktiv zu benutzen und dadurch die Erfahrung zu machen, „ohne stabilen Boden“ zu laufen.

2019-20 alpha nova & galerie futura, Berlin
2018-19 Stiftung Más Arte Más Acción, Bogota, Kolumbien

Rauminstallation: 2 Videokanäle „Michel“ 12 Min., 2019
„Amazonas_El Dorado“ 6 Min., 2019 / Slackline 20 M /
6 Serigrafien (70 cm x 50 cm)