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In den vergangenen Monaten haben die Veränderungen in der Berliner Politik durch die Wahlwiederholung die Arbeit geprägt. Viele Gesprächstermine zum Kennenlernen der neuen Ansprechpartner*innen im Senat haben Vorstand, Geschäftsführung und die Büros über den Sommer wahrgenommen und den neuen Doppelhaushaltsentwurf aufmerksam begleitet und kommentiert. Zurzeit finden die ersten Lesungen zum Haushalt statt – leider sind aktuell Kürzungen im Kulturhaushalt vorgesehen, von denen besonders die Freie Szene betroffen sein soll. Proteste sind beim Kultursenator angekommen. Noch ist nichts endgültig entschieden, z. B. ob die Projekträume und -initiativen so drastisch in der Förderungen gekürzt werden wie befürchtet. Der bbk berlin steht solidarisch an der Seite der Freien Szene. Das Atelierprogramm ist unmittelbar nicht gefährdet – muss allerdings dringend sachgerecht reorganisiert werden. Einige Standorte jedoch stehen immer wieder auf der Kippe wie das Beispiel Sigmaringer Str. 1 zeigt, weil der politische Wille zum Erhalt nicht eindeutig formuliert wird. Es ist ein stetiger Kampf um Räume für die freie künstlerische Produktion und auch dort rufen wir Euch zur Solidarität mit den Kolleg*innen auf! Im Vorstandsbericht sind weitere Informationen.

Mitgliederversammlung des bbk berlin 2023-2

10.09.2023 | DeutschlandRadioKultur, Thorsten Jantschek bei Podcast Stunde 1 Labor im Interview u.a. mit Zoë Claire Miller: Auszug: "Es braucht auf jeden Fall Frauenförderung in der Kunst. Der Gender-Pay-Gap und Gender-Show Gap ist schlimmer in der bildenden Kunst als das im Durchschnitt bei anderen Berufen (der Fall) ist. Man merkt vor allem auch sehr stark, dass Frauen für ihre Familienplanung abgestraft werden, was bei Männern überhaupt nicht vergleichbar ist. Frauen, die Künstlerinnen sind und Kinder bekommen werden nicht ernst genommen und haben einen riesigen Karrierenachteil. [...] Sehr viele Förderformate sind unvereinbar damit, dass Künstlerinnen Kinder haben […] Ich glaube, dass die öffentlichen Förderungen und Ausstellungspraxen schon ein bisschen weiter voran sind. Aber die Kunstgeschichte wurde von Männern für Männer geschrieben und vor allem Bereiche der Privatwirtschaft wie Galerien und kommerzieller Kunsthandel sind patriarchal ausgelegt."

Der Berliner Senat hat am 11. Juli 2023 den Doppelhaushalt für die Jahre 2024 und 2025 beschlossen. Für uns sind wichtig der Einzelplan 08 (enthält die Haushaltstitel für Kultur) und der Einzelplan 10 (enthält die Haushaltstitel für kulturelle Bildung). Wir haben uns die Einzelpläne im Detail angesehen und unsere Fragen und Forderungen in einem Dokument gesammelt. Dieses Dokument haben wir den Mitgliedern aller demokratischen Fraktionen (CDU, SPD, GRÜNE, LINKE) im Ausschuss für Kultur, Engagement und Demokratieförderung letzte Woche geschickt, damit sie unsere Fragen und Forderungen bei der nächsten Ausschusssitzung am 11. September mit dem Senator für Kultur Joe Chialo diskutieren können.

11. Juli 2023 | Der bbk berlin unterstützt den OFFENEN BRIEF des Aktionsbündnisses "Kein Rammstein in Berlin!": Sehr geehrte Vertreter*innen des Olympiastadions Berlin, Sehr geehrte Vertreter*innen der kulturellen und politischen Landschaft in Berlin, als Aktivist*innen, Journalist*innen und Vertreter*innen der Kulturbranche in Berlin fordern wir mit diesem offenen Brief ein Verbot der Rammstein-Konzerte im Olympiastadion am 15., 16. und 17. Juli 2023. Wir solidarisieren uns mit den Protesten des Bündnisses „Kein Rammstein in Berlin“. Unsere Forderungen sind: - Ein Verbot der Rammstein-Konzerte in Berlin – sowohl im Juli 2023 als auch kommende Konzerte | - Eine akribische juristische, als auch kulturpolitische Aufarbeitung der Fälle | - Die Entschädigung der Betroffenen. | Dies kann und sollte jedoch erst der Anfang einer umfassenden Reformierung der Berliner Musik- und Clublandschaft sein. Sexuelle Belästigung und Gewalt auf Konzerten und in Clubs ist für viele FLINTA*, Frauen und queere Menschen nach wie vor Alltag. Daher fordern wir außerdem die finanzielle Unterstützung von Awareness-Teams bei Konzerten und Partys, eine umfängliche Sensibilisierung des Personals sowie strafrechtliche Konsequenzen bei Spiking-Vorfällen. Das zu Recht weltbekannte Berliner Nachtleben muss ein Raum sein, in dem sich alle Menschen sicher fühlen können – unabhängig von Geschlecht, Erscheinung, rassistischen Zuschreibungen und Sexualität. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung!

Kein Rammstein in Berlin!

Das Büro für Kunst im öffentlichen Raum freut sich, das Erscheinen der 70. Ausgabe der Fachzeitschrift für Kunst im öffentlichen Raum kunststadt stadtkunst bekannt zu geben. Sie repräsentiert das spannungsvolle Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit und öffentlichem Raum in allen seinen Facetten, von Berlin und den Berliner Bezirken über die Steiermark und Russland bis nach Indonesien. Eröffnet wird Die diesjährige Ausgabe von unserem Hauptthema: „Kunst für die Demokratie“ und dem dafür grundlegenden Vortrag von Eckhard Braun vom 8. Dezember 2022 in der Berliner Architektenkammer. Der Leitartikel von Martin Schönfeld behandelt die Mindeststandards der Juryarbeit. Katinka Theis rezensiert das Buch K-Kulturarbeit von Michael Hirsch, der aufzeigt, wie die Kulturarbeit immer mehr den Bedingungen herkömmlicher Lohnarbeit gleicht. Henrik Mayer unterzieht die Aufstellung einer Skulptur des Namensgebers vor der Adenauer-Stiftung einer kritischen Würdigung. Das Kapitel Kunst und Gedenken behandelt den endlich durchgeführten Wettbewerb für ein Denkzeichen für den Komponisten Siegfried Translateur, das Kunstsymposium Köpenick Erinnerung-Gedenken und den neuen Gedenkort für die Opfer der Euthanasie in Neinstedt. | Im Kapitel Internationales führt uns Werner Kraus im Nachklang zur documenta 15 in einem kenntnisreichen Artikel in die indonesische Kunst und ihre Geschichte ein. Ein Artikel von Elisabeth Fiedler über das Projekt Offene Felder berichtet über die seltene Begegnung von Kunst und Landwirtschaft. Ein Interview mit Dmitry Vilensky zeigt, was der Ukraine-Krieg für russische Dissident:innen bedeutet, dem gleichen Thema widmet sich Azamat Ismailov in seinem Bericht über das Kulturhaus "Rosa" in Sankt Petersburg. Pia Lanzinger berichtet über die gemeinsame Selbstbehauptung von Frauen im öffentlichen Raum Algeriens anhand ihres dort durchgeführten Kunstprojektes. Ihren Abschluss findet die neueste kunststadt stadtkunst in zehn ausführlichen Wettbewerbsberichten von größeren und kleineren Wettbewerbsverfahren für Kunst am Bau und Kunst im Stadtraum in Berlin.

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Offener Brief der Zusammenschlüsse der Berliner Kultur Ein lebendiges Kunst- und Kulturleben macht Berlin aus, in der internationalen Wahrnehmung wie im Kiez. In Berlin interagieren große Institutionen, Theater, Museen, Konzerthäuser und Clubs mit freien Künstler*innen, internationale Gäste mit lokalen Kiez-Akteur*innen, Museen und Opernhäuser mit soziokulturellen Trägern, Bibliotheken und der Amateurkultur. Diese Vielfalt und Vernetztheit ermöglichen kulturelle Teilhabe für Berliner*innen jeden Alters, Einkommens und Herkunft. Kulturwirtschaft und Tourismus profitieren von der Ausstrahlung der Stadt und ihrer vielfältigen Kulturangebote. Dass die Berliner Kultur mit ihren vielen Leuchttürmen und weltweit bekannten Künstler*innen regelmäßig in internationalen Medien präsent ist und hunderttausende Besucher*innen jährlich anzieht, liegt an diesem einzigartigen Kulturökosystem, das weltweit seinesgleichen sucht. | Für dieses Kulturökosystem stehen aktuell nur 3% des Gesamtvolumens des Berliner Haushalts zur Verfügung, gemessen an der Bedeutung der Kultur für die Stadt ist das verschwindend gering. Vor dem Hintergrund von Pandemie-Folgen, Inflation, gestiegenen Energiekosten und Mieten und der angespannten Haushaltslage steht die Berliner Kultur aktuell erneut auf der Kippe. Und ein Ökosystem – das verstehen wir mittlerweile aus anderen Zusammenhängen – ist nicht so leicht wieder aufzubauen, wenn es erst einmal zerstört ist. [...]

Offener Brief

Ergebnisse der Umfrage zur Ateliersituation des Atelierbeauftragten für Berlin Mai/Juni 2023 | Der Atelierbeauftragte für Berlin hat eine Umfrage zur Erhebung der aktuellen Atelier- und sozio-ökonomischen Situation von bildenden Künstler*innen in Berlin durchgeführt. Im Rahmen der Befragung wurden 1.673 Fragebögen ausgefüllt. Geht man von 10.000 bildenden Künstler*innen in Berlin aus, entspricht das 16% der Grundgesamtheit. 57% der Befragten waren weiblich, 35% männlich und 8% haben Ihr Geschlecht als Divers/non-binär angegeben. Das Durchschnittsalter lag bei 43 Jahren. | Ateliersituation/Atelierverluste: 63% der Befragten gaben an, derzeit kein Atelier zu haben oder es gerade verloren zu haben bzw. es zu verlieren. Von dieser Gruppe haben 42% aktuell kein Atelier, 21% verlieren es gerade oder haben bereits ihr Atelier verloren. 63% suchen seit bis zu zwei Jahren ein Atelier. Diejenigen, die ein Atelier haben, sind oftmals in einer prekären und unsicheren Mietvertragssituation. So geben 80% an, einen unbefristeten Mietvertrag zu haben, Vertragssicherheit nach Gewerbemietrecht also in der Regel nur 6 Monate zum Ende eines Quartals und eine Kündigung ist ohne Angabe von Gründen zulässig. Lediglich 1,5% der befristeten Mietverträge haben eine Laufzeit von 5 und mehr Jahren. 56% aller Befragten mussten ihr Atelier oder ihre Atelierwohnung schon einmal aufgeben. Von dieser Gruppe waren allein 6,5% im laufenden Jahr 2023, 9% in 2022, 9,4% in 2021 betroffen. Im Rahmen der Umfrage wurden 108 Ateliers und Atelierwohnungen in 2023*, 150 in 2022, 157 in 2021, 136 in 2020, seit 2017 insgesamt 874 verlorene Ateliers gemeldet. Da an der Umfrage 16% der in Berlin tätigen bildenden Künstler*innen teilgenommen haben, muss von einer weit höheren Zahl ausgegangen werden. Von ca. 1.500 – 2.000 verlorenen Ateliers kann seriös ausgegangen werden. Dem gegenüber stehen von 2017 bis 30.06.2023 per Saldo nur 310 neu entwickelte geförderte Ateliers und Atelierwohnungen, d.h.: die Substanz der Infrastruktur wird aufgezehrt. Insgesamt gibt es 1214 geförderte Ateliers in Berlin. Um diese Zahlen zu kontextualisieren: Es gibt 10.000 bildende Künstler*innen in der Stadt, von denen 60% kein Atelier haben oder ihr Atelier verlieren. Als Gründe für die Aufgabe der Ateliers oder Atelierwohnungen gaben von den 35% der Betroffenen nicht mehr finanzierbare Mieterhöhung an. 31% wurden gekündigt, davon 11% wegen Eigenbedarfs. [...]

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Pressekonferenz am 12. Juni 2023: Präsentation Ergebnisse Bedarfserhebung Ateliersituation bildender Künstler*innen in Berlin. Der Verdrängungsdruck für die etwa 10.000 bildenden Künstler*innen in Berlin steigt weiter, innerstädtische Ateliers und Arbeitsräume werden immer teurer und Inflation, Energiekrise und Bau- und Mietpreisexplosionen haben die wirtschaftliche Situation für bildende Künstler*innen nur noch verschärft. Angesichts dieser Entwicklung sind die zwischen 2017 und 2023 per Saldo 310 neu geschaffenen, geförderten Ateliers durch das Land Berlin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Vor diesem Hintergrund und weil durch die steigenden Zinsen besonders in Berlin öffentliche Budgets abschmelzen, ist eine genaue Bedarfsermittlung absolut entscheidend, um einen möglichst effektiven Mitteleinsatz, nah am tatsächlichen Bedarf, zu garantieren. Am 12. Juni 2023 stellt der Atelierbeauftragte die Ergebnisse der aktuellen Bedarfserhebung zur Atelier- und sozio-ökonomischen Situation bildender Künstler*innen in Berlin vor. Mit 1.600 abgeschlossenen Fragebögen haben etwa 16 % aller bildenden Künstler*innen in der Stadt teilgenommen. Die Zahlen sind also valide und die große Beteiligung verdeutlicht die Notwendigkeit zur Lösung. Zoë Claire Miller, Sprecherin des bbk berlin, Dr. Sven Sappelt vom Institute for Cultural Governance und Dr. Martin Schwegmann, Atelierbeauftragter für Berlin, werden die Ergebnisse der Umfrage vorstellen und einordnen.

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Wichtig im letzten Halbjahr: die deutliche Erhöhung der Ausstellungshonorare in den Kommunalen Galerien Berlins, das Engagement für transparentere und gerechtere Förder- und Vergabestrukturen auf Bundes-ebene am Beispiel von NEUSTART KULTUR, der weiter zunehmende Kampf um Atelierräu-me in Berlin, die steigenden Kosten für Leben und Arbeiten in den Freien Berufen, was das Erstreiten von Basishonoraren für Selbständige in Kultur und Medien immer dringlicher macht. Dazu gehören Lösungsansätze zur Überwindung der massiven Altersarmut unter Künstler*innen aller Sparten und das Ende des Gender-Pay-Gap. Am 31. Mai 2023 findet ein Honorargipfel mit vielen Berufsverbänden aus Bund und Ländern, initiiert vom LAFT, statt. Die Wahlwiederholung in Berlin bedeutet für die Kunstschaffenden und ihre Verbände, sich auf neue Ansprechpartner*innen einzustellen, mit ihnen Verhandlungen zu führen und Projekte anzustoßen. Denn es hakt an vielen Stellen immer noch und immer wieder, ob Flughafen Tempelhof, Molkenmarkt, Alte Münze oder Uferhallen.

rundbrief bbk berlin Mai 2023

Anders als skandalös kann das Projekt „Station to Station“ und die Äußerung der Deutschen Bahn auf Nachfrage der Presse dazu nicht gewertet werden: „Aufgrund der Einmaligkeit und Urheberschaft der Idee entfiel für die künstlerische Besetzung (Musik und Bildende Kunst) ein Wettbewerb um das beste Konzept in Form einer Ausschreibung.“ Am 04.12.2020 beschloss der Deutsche Bundestag unter dem Titel 891 09 eine „Förderinitiative zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit von Bahnhöfen: „Ausgaben und Verpflichtungs-ermächtigungen in Höhe von 5 000 T€ für das Programm „station to station“ sowie im Umfang von 1 600 T€ für die nächste Planungsstufe Masterplan“ zu finanzieren, „Um Konjunkturimpulse setzen zu können,…“ Auf Initiative des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr realisiert die Deutsche Bahn in Zusammenarbeit mit dem Bonner Verein „Stiftung für Kunst und Kultur“ und dessen Vorsitzenden Walter Smerling als Kurator für den Projektbereich Bildende Kunst die Veranstaltungsreihe „Station to Station“. Im Pressetext zur Einweihung der Reihe mit der Skulptur „Vertical Highways“ von Bettina Pousttchi am Berliner Hauptbahnhof wird betont, dass es „Ziel der Kunst- und Konzertreihe ist, Bahnhöfe und ihr Umfeld attraktiver zu machen und mit Kunst und Kultur mehr Menschen für die Bahn zu gewinnen.“ Die Künstler*innen in Berlin kommen aus dem Staunen nicht heraus: Wieder zieht Walter Smerling zusammen mit Politiker*innen und Wirtschaftsunternehmen Projekte durch, finanziert rein aus öffentlichen Geldern, ohne demokratische Abstimmungsprozesse, als hätte es den Skandal um die „Kunsthalle Berlin“ 2022 gar nicht gegeben. Weder die Deutsche Bahn noch die Politiker*innen in Bundestag und Ministerien konnten oder wollten sich zu den Auswahl- und Vergabeentscheidungen hinreichend äußern. Auf wessen Initiative entstand die „Förderinitiative zur Attraktivitätssteigerung und Barrierefreiheit“? Und was hat „Station to Station“ mit Barrierefreiheit zu tun? Wer hat das Konzept entwickelt? Wo wurde es publiziert? Alles bleibt vollkommen intransparent. Stattdessen verweist die DB auf die Einmaligkeit der künstlerischen Idee, die eine Ausschreibung überflüssig machte.

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