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Die Programme des Bundes zum Ausgleich der Pandemie-Folgen für freiberufliche Künstler*innen sind reine Symbolpolitik ohne wirkliche Unterstützung für die betroffenen Berufsgruppen. Und selbst diese werden nun noch missbraucht. Wie zuvor schon der Kunstfonds benutzt nun die Akademie der Künste entsprechende Bundesmittel für „Nice To Have - Programme“, die mit dem Ausgleich von Pandemiefolgen nichts, gar nichts zu tun haben und zu tun haben sollen. Ein Stipendienprogramm für Berufsanfänger*innen der Architektur, wie es die Akademie der Künste in ihrem vom Bund finanzierten "Initial"-Stipendienprogramm auflegt, mag ein Lieblingsprojekt Einzelner sein: aber dafür pandemiebedingte Sonderprogramme zweckzuentfremden, ist ein Skandal. First come, first served! NEUSTART KULTUR schickt Künstler*innen in ein Windhundrennen um den sprichwörtlichen Tropfen auf dem heißen Stein. Heute startet im Rahmen von NEUSTART KULTUR eine deutschlandweite Ausschreibung für die „Initial“-Stipendien der Akademie der Künste mit einer Deadline als Farce. Welches Bild zeichnet dieses Land eigentlich von seinen Künstler*innen? Der Auslober – die Akademie der Künste – nimmt die eigenen Sektionen und erklärt diese zu künstlerischen Sparten, denen sich die Bewerber*innen zuordnen sollen. Und für die Künstler*innen heißt es jetzt: Ran an die Schubladen und das fertige Portfolio raus – „ausschlaggebend ist … die Überzeugungskraft des eingereichten Projektvorschlags“ – und sofort und unverzüglich ins Rennen um die viel zu wenigen Stipendien stürzen: 113 Stipendien pro Sparte! Deutschlandweit und nicht in Hamburg oder Frankfurt. Denn nur die ersten 1.000 Bewerber*innen pro Sparte werden zum Auswahlverfahren zugelassen! So hat man also gelernt aus den Zahlen um die Sonderstipendien der Stiftung Kunstfonds 2020? Da waren es knapp 5.000 Bewerber*innen der Bildenden Kunst. Ein Schelm, wer Böses denkt. Zwischen den genannten „Sparten“ hält kein Vergleich stand. Parität? Weit gefehlt! Ein Beispiel: Der Bereich Baukunst-Berufsanfänger*innen wird der Bildenden Kunst gleichgesetzt. Da stutzt man doch gehörig, nicht nur als Insider. Es gibt deutlich mehr bildende Künstler*innen in Deutschland als Architekt*innen. Und warum werden Stadtplaner*innen oder Bauingenieur*innen als Berufsanfänger*innen gefördert, die keine oder kaum Ausfälle durch die Pandemie erlitten haben? Ob Künstler*innen ein Stipendium aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage dringend brauchen oder nicht, diese Frage stellt sich bei diesem Programm auch nicht. Aber soweit uns bekannt ist, ist das Programm NEUSTART KULTUR zum Ausgleich von pandemiebedingten Ausfällen und zur Stabilisierung sowie Erhalt künstlerischer Produktion eingerichtet worden. Haben die Auseinandersetzung im vergangenen Jahr über die unzureichenden Überlegungen im Vorfeld bei der Vergabe der Stipendien über den Kunstfonds Bonn und den damit verbundenen Ungerechtigkeiten nicht ausgereicht, um daraus zu lernen? Hätte der Deutsche Kulturrat und die Staatsministerin für Kultur, Frau Grütters, nicht genauer hinsehen müssen, damit sich nicht wiederholt, was schon einmal durch die Presse ging? Wieder ist die Gefahr groß, dass das ganze Programm in Misskredit gerät. Von den Mitgliedern der Akademie der Künste sollte man Professionalität erwarten. Dieser Open Call lässt jedoch genau das vermissen. Wir fordern sofortige Korrektur, denn noch ist das Programm zu modifizieren! Besser jetzt, als Rechtfertigungen im Nachhinein zu verfassen, die niemanden überzeugen werden.

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aus der Sicht der fast 10.000 bildenden Künstler*innen in Berlin: 1. In der Krise war auf Klaus Lederer Verlass. Sein Verdienst war und ist es, dass die Corona-Zuschüsse des Landes Berlin nicht bei allen, aber bei den meisten Künstler*innen und Künstlern angekommen sind, als sie diese zum beruflichen Überleben der Corona-Pandemie wirklich brauchten. Welch ein Kontrast zur Politik des Bundes, der die Künstler*innen vorrangig auf Hartz IV verwies und verweist. Auch die Corona-bedingten Zusatzprogramme, die er und seine Verwaltung aufgelegt haben – man denke an die Mobilisierung von 9 Millionen Euro für ein Sonderstipendienprogramm – waren haushalterische und organisatorische Kraftakte, die der Vielfalt der selbständigen künstlerischen Arbeit in Berlin spürbar zugutegekommen sind. Wo nötig, haben Klaus Lederer und seine Mitarbeiter*innen privaten Hilfsinitiativen – wie z. B. einem Unterstützungsprogramm für ältere Künstler*innen, das der bbk berlin durch eine Spende der Giesecke+Devrient Stiftung realisieren konnte – über bürokratische Hürden hinweggeholfen. 2. Faire und angemessene Honorare für künstlerische Leistungen, Gehaltszahlungen nach Tarif bei Zuwendungsempfängern des Landes Berlin: Anliegen und Zielsetzungen, die sich Klaus Lederer zu eigen gemacht hat. In seiner Amtszeit hat sich hier vieles sehr verbessert, auch wenn noch immer einiges zu tun bleibt. 3. Eine Baustelle nach Berliner Art – ein Baufortschritt ist kaum zu erkennen – bleiben die Sicherung und der Ausbau der räumlichen Infrastruktur für künstlerisches Arbeiten. Seit nahezu 10 Jahren wächst der Ateliernotstand jährlich und kontinuierlich an. Der Atelierbeauftragte im Kulturwerk des bbk berlin und der bbk berlin haben deshalb mit Beginn der Legislaturperiode 2016: 2.000 neue und bezahlbare Ateliers für nötig gehalten und ihre Realisierung bis 2021 gefordert, um die Erosion der berufsnotwendigen Infrastruktur nicht nur etwas zu verlangsamen, sondern wirksam einzudämmen. Die Bilanz ist ernüchternd: Waren im Atelierbüro 2016: 898 belegungsgebundene, damit wenigstens mittelfristig gesicherte und bezahlbare Ateliers und Atelierwohnungen zu verzeichnen, sind es Stand Juni 2021: 1.171 Ateliers und Atelierwohnungen. Ein viel zu geringer Zuwachs trotz großer Anstrengungen, gemessen am Bedarf und gemessen auch am finanziellen und organisatorischen Aufwand, den die Kulturverwaltung mit dem "Arbeitsraumprogramm" und der Kulturraumbüro GmbH betreibt. Hier müssen auch konzeptionell neue Wege beschritten, die Akteure der Zivilgesellschaft – Künstler*innengruppen, Genossenschaften, die gemeinwohlorientierte Immobilienwirtschaft und Einrichtungen wie unser Atelierbüro – müssen besser in die Förderstrukturen integriert und hier muss auch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung an ihre Mitverantwortung erinnert werden. Vor allem jedoch muss der Neubau bezahlbarer Atelierwohnungen wieder auf ihre Agenda.

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Über den Atelierbeauftragten und das Atelierbüro | Das Atelierbüro im Kulturwerk des bbk berlin ist die zentrale Anlaufstelle für alle in Berlin lebenden bildenden Künstler*innen auf der Suche nach einem Atelier – unabhängig von einer Verbandszugehörigkeit. Das Atelierbüro und der Atelierbeauftragte beraten bei der Ateliersuche und unterstützen bei der Erhaltung bestehender Ateliers. | Das Atelierbüro und der Atelierbeauftragte setzen sich dafür ein, Orte für die Produktion Bildender Kunst auch gegen verdrängende Aufwertungsprozesse nachhaltig in Berlin zu verankern und für Künstler*innen bezahlbar zu halten. | Wahlprüfsteine zur Abgeordnetenhauswahl 2021: 1. Anpassung rechtlicher Rahmenbedingungen; 2. Anpassung und Ausbau bestehender Förderinstrumente; 3. Ausbau von Atelierwohnungen; 4. Mitspracherecht von Künstler*innen und der Zivilgesellschaft; 5. Hilfe zur Selbsthilfe

Wahlprüfsteine 2021 Atelierbüro

Der Vorstand des bbk berlin gibt mit Freude bekannt, dass mit Wibke Behrens M.A.ab 1. Juli 2021 eine hervorragend qualifizierte und politisch engagierte Frau für die Geschäftsführung im bildungswerk des bbk berlin gewonnen wurde. | Wibke Behrens arbeitet seit über 20 Jahren im Kulturbereich und schöpft aus einem umfassenden Erfahrungsschatz in der Verbandsarbeit, vor allem im Bereich Professionalisierung, Konzeption und Programmatik. | Zudem verfügt Wibke Behrens durch Aufträge in der Prozessbegleitung, der akademischen Lehre und strategischen Beratung über eine große Expertise in Kultur, Kulturpolitik und Empowerment – berlinbasiert, bundesweit und international – und ist aktives Mitglied in diversen Gremien und Think Tanks. | Als Gesellschafterin hat sie 2019 das Institute für Cultural Governance mitgegründet. Sie ist zertifizierter Systemischer Coach u.a. bei Hands On und Research Fellow am Presencing Institute in Massachusetts. | In kulturpolitischen Projekten ist Wibke Behrens ausgewiesene Expertin und Mit-Initiatorin für kooperative kulturpolitische Projekte und partizipative Prozesse. | Sie ist u.a. Sprecherin der Kulturpolitischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg und Mitglied des Bundesvorstands, Gründungsmitglied und Sprecherin der AG Alte Münze der Koalition der Freien Szene, Geschäftsführender Vorstand und Stellvertretende Vorsitzende des Fachausschuss Kulturpolitik der SPD Berlin und Mitglied im Forum Zukunft Berlin der Stiftung Zukunft Berlin. | Das kulturwerk des bbk berlin unterstützt Wibke Behrens seit 2018 als Mitglied im Initiativkreis für die Erhaltung und Entwicklung von Orten künstlerischer Arbeit in Berlin. | Wibke Behrens: „Künstlerische Akteure stellen sich lebenslang ins Spannungsfeld von Lernenden und Lehrenden. Ich sehe meine Aufgabe im bildungswerk in einer starken Programmatik für die Professionalisierung und Positionierung von Kunstschaffenden.“

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Norwegisch-deutscher Künstler*innen-Austausch | Am 28. April 2021 lud der Kultur- und Pressereferent der Königlich-Norwegischen Botschaft, Clemens Bomsdorf, zum zweiten Austausch über allgemeine Förderinstrumente und -strukturen für Bildende Künstler*innen in Norwegen und Deutschland ein. An der Online Veranstaltung nahmen die norwegischen Vertreter*innen des Kulturrådet/Arts Council Norway (Kunstrat Norwegen) – Thea Breivik (Internationale Sektion), Ken Stebergløkken (Senior Advisor/Berater) – sowie Ruben Steinum (Norske billedkunstnere NBK/Norwegischer Künstlerbund) und von deutscher Seite Till Ansgar Baumhauer (Landesverband Bildende Kunst Sachsen), Doris Frohnapfel (BBK NRW) und Michael Kress (Deutscher Künstlerbund), Marcel Noack (BBK-Bundesverband, IGBK) und Heidi Sill (Sprecherin bbk berlin) teil. Die Referent*innen gaben Einblicke in die Aktivitäten ihrer Institutionen auf europäischer, nationaler und/oder kommunaler Ebene. | Zentrale Themen waren die Förderungen und Entwicklung der Rahmenbedingungen künstlerischer Arbeit durch Ausstellungshonorare und -vergütungen sowie Stipendienprogramme. Eine Fortsetzung der Gespräche ist geplant. Das Online-Seminar ist nachzulesen im englischsprachigen Reader:

Dank einer großzügigen Spende der Giesecke+Devrient Stiftung kann der bbk berlin an 29 Künstler*innen über 60 Jahre, deren künstlerische Existenz durch die Pandemiefolgen bedroht ist, jeweils einen Zuschuss von 2.000 Euro auszahlen. Auch dank der Unterstützung von Kultursenator Klaus Lederer hoffen wir, dass diese Zahlungen zumindest bei Empfänger*innen von Grundsicherungsleistungen auf diese nicht angerechnet werden. So großartig diese Unterstützung jeweils im Einzelfall ist: sie ändert natürlich nichts an den strukturellen Defiziten der Sozial- und Gesellschaftsordnung in Deutschland. 80 Künstler*innen hatten den Zuschuss 60+ beim bbk berlin beantragt. Ihre Biographien zeigen beispielhaft: Kulturelle Leistung, dichte künstlerische Lebensläufe und hohe fachliche Anerkennung schützen nicht vor unwürdiger Armut im Alter. Frauen sind davon noch stärker als Männer betroffen. Ältere Künstler*innen werden strukturell im Stich gelassen, denn künstlerisches Schaffen hört nicht mit Eintritt in die Rente auf, Hartz IV oder "Grundsicherung" im Alter machen die Weiterarbeit meist unmöglich und schließen von beruflicher und sozialer Teilhabe aus. Damit finden wir uns nicht ab. Vom neu zu wählenden Bundestag werden wir mit Nachdruck einfordern, den faktischen und durch nichts zu rechtfertigenden Ausschluss der großen Mehrheit der Künstler*innen aus der 2020 beschlossenen neuen Grundrente sofort zu beenden. Trotz jahrzehntelanger Vollerwerbstätigkeit und Beitragszahlung ist die derzeit geltende Bezugsvoraussetzung, nach der wenigstens 30% des Durchschnittseinkommens aus unselbständiger Arbeit erwirtschaftet sein muss, für sie unerreichbar. Wir treten ein für ... (weiter im PDF)

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Die wirtschaftliche Lage von Geringverdienern und Selbstständigen in Deutschland hat sich in der Coronakrise verschlechtert. Dies belegen neueste Auswertungen des ifo Instituts. Ausschlaggebend hierfür ist der fehlende Anspruch auf Kurzarbeitergeld. „Weder Selbstständige noch Geringverdiener zahlen in die Arbeitslosenversicherung ein, dieser Effekt macht sich jetzt bemerkbar“, sagt Andreas Peichl, Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik und Befragungen. | Geringverdiener mussten im Juni 2020 mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent einen Einkommensrückgang hinnehmen. Sie leiden damit deutlich stärker unter der Krise als Teil- und Vollzeitkräfte. Bei diesen lag der Wert im Vergleichszeitraum bei etwa 13 Prozent. Selbstständige haben im Juni 2020 sogar mit 33-prozentiger Wahrscheinlichkeit einen Einkommensverlust erlitten. Im Oktober und November lag die Wahrscheinlichkeit noch bei 7,3 Prozent. Trotz dieser positiven Tendenz sind diese Befragten sehr besorgt über ihre finanzielle Situation. Dies zeigen die Auswertungen im Vergleich zu anderen Beschäftigten. | Neben finanziellen Einbußen fürchten die Deutschen sich vor einer Infektion mit Covid-19. Frauen treibt diese Sorge besonders um: Sie nennen diese Befürchtung dreimal öfter als zu Beginn des Befragungszeitraums im Juni 2020. Ältere Menschen hingegen, die im Juni 2020 noch besonders besorgt waren, sich anzustecken, äußerten sich im Oktober und November deutlich gelassener als zu Beginn der Pandemie. „Diese Wahrnehmung deckt sich mit dem gesunkenen relativen Infektionsrisiko für diese Gruppe Ende des Jahres 2020“, sagt Lea Immel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am ifo Institut und Teil der Forschungsgruppe Steuer- und Finanzpolitik. | Publikation: The Unequal Consequences of the Covid-19 Pandemic: Evidence from a Large Representative German Population Survey, von Immel, Lea / Neumeier, Florian / Peichl, Andreas (in Englisch)

ifo Institut Studie 2021

"Freie sind immer das schwächste Glied in der Kette" von Philipp Hindahl | Wie geht es Künstlerinnen und Künstlern im Lockdown? Eine Studie der Koalition der freien Szene Berlin hat das untersucht. Hier sprechen zwei Initiatorinnen darüber, welche Hilfe die Kultur jetzt braucht | Die Corona-Pandemie trifft freischaffende Künstlerinnen und Künstler trotz der Soforthilfen besonders schwer: Verdienstausfälle, unbezahlte Vorleistungen, zeitraubende Nebenjobs. Das war bisher nicht leicht zu beziffern, aber eine neue Studie liefert nun Zahlen. Cilgia Gadola und Kerstin Wiehe von der Koalition der Freien Szene Berlin erklären, warum es so wichtig ist, die Härten des Lockdowns belegbar zu machen und was die Politik jetzt tun kann | Cilgia Gadola, Kerstin Wiehe, Sie haben haben eine Studie zur Lage von Künstler*innen in der Corona-Krise veröffentlicht, um die Datenlage für Struktursicherung und künftige Fördermaßnahmen zu schaffen. Dabei hatten Sie die Hilfe von Soziologinnen. Interview nachzulesen:

Berlin, 27. April 2021 | Die 19 in der Allianz der Freien Künste organisierten Bundesverbände begrüßen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel sich heute in einem Bürger:innen-Dialog mit Kunst- und Kulturschaffenden ausgetauscht und sich sehr ausführlich mit den konkreten Berichten beschäftigt hat. | Die gesamte Branche und vor allem die Kunstschaffenden in freien Strukturen tragen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung solidarisch mit. Gleichzeitig fehlt aktuell jede Perspektive auf Öffnung und berufliche Betätigung. | Wir freuen uns, dass in der heutigen Diskussionsrunde auch mehrere Künstler:innen aus freien Strukturen zu Wort kamen und der Bundeskanzlerin die besondere Situation der vielen soloselbstständigen Kunst- und Kulturschaffenden darlegen konnten. Dazu gehört auch die Dringlichkeit eines Unternehmer:innenlohns, den aufzugreifen die Bundeskanzlerin angekündigt hat. Es wurde außerdem deutlich, dass die Aufstockung der Neustarthilfe für Soloselbstständige sowie die Fortführung nach Juni 2021 ebenso dringend notwendig sind wie der angekündigte Wirtschaftlichkeitsbonus und Ausfallfonds. | Wir bedauern, dass im Vorfeld nur wenige Fach- und Branchenverbände angefragt wurden, Vorschläge für Teilnehmer:innen am Bürger:innen-Dialog zu unterbreiten. Dadurch fehlten wichtige Perspektiven wie zum Beispiel die der Bildenden Künstler:innen. Gleichzeitig zeigte dieses Format, dass noch tiefergehend über strukturelle Probleme bei den Corona-Hilfen und die Existenzbedingungen der Kunst- und Kulturschaffenden diskutiert werden muss. | Die Allianz der Freien Künste sieht den Bürger:innen-Dialog deshalb als einen ersten guten Einstieg, der weitergedacht werden muss. Wir regen an, diesen Dialog auf der Ebene der zahlreichen Fachverbände und unter Einbezug der Bundesländer fortzuführen und einen regelmäßigen Runden Tisch Kultur ins Leben zu rufen.

Logo - Allianz der Freien Künste

Wir Akteur*innen der Urbanen Praxis wollen im Freien weiterarbeiten und protestieren gegen die undifferenzierten Verbote für Kunst+Kultur im neuen Infektionsschutzgesetz. Trotz der Appelle aus dem Kulturbereich und den neuesten Erkenntnissen der Aerosolforschung untersagt das neue Infektionsschutzgesetz Kunst- und Kulturveranstaltungen bei Inzidenzwerten von über 100 – unabhängig davon, unter welchen Schutzmaßnahmen sie im Innenraum oder Draußen stattfinden. Das ist empörend, denn was Demonstrationen, Sportvereine und Religionsgemeinschaften zugetraut und in der Arbeitswelt erst gar nicht angemahnt wird, haben Kunst- und Kultur schon längst selbstinitiativ umgesetzt: Arbeits-, Aktions- und Veranstaltungsformen, die mit Abstand und viel Luft auch unter pandemischen Einschränkungen funktionieren. | Schade, dass die Macher*innen des Infektionsschutzgesetzes keine eigenen Erfahrungen gesammelt haben, wie Künstler*innen trotz Pandemie verantwortungsvoll weiterarbeiten. Wir unterstützen ausdrücklich alle sinnvollen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie und können gerade von diesem Standpunkt aus die Pauschalität, mit der die Aktivitäten im Kulturbereich untersagt werden, nicht nachvollziehen. | Schon im Mai 2020 hatten wir neue ressortübergreifende Zusammenarbeit gefordert, um nachhaltig städtischen Freiraum für Berlinerinnen und Berliner zu öffnen. Akteur*innen der Urbanen Praxis haben mit Partner*innen aus den Künsten auf verschiedenen Flächen offene Stadtlabore eingerichtet, die für Kultur und Nachbarschaft neuen Erprobungsraum bieten. Es sind Baustellen für die urbane Zukunft, die mindestens so viel Dringlichkeit haben, wie der Straßen- und Häuserbau. Auf den verschiedenen Campusanlagen gibt es Flächenangebote, die großzügige Freiräume für outdoor-Aktionen vorhalten. Mit dem Projektfonds Urbane Praxis und den Fördermöglichkeiten der DRAUSSENSTADT können jetzt – inmitten der Pandemie – in Berlin dezentrale Draußenprojekte stattfinden, die kluge Strategien zum Schutz der Teilnehmenden und Gäste umsetzen. | Künstlerinnen und Künstler, ihre Organisationen und Einrichtungen haben sich weiterentwickelt, weitsichtigen Umgang mit der Pandemie gefunden, doch wo steht die Politik? | Nach einem Jahr ist das Wissen über das Virus und über Schutzmaßnahmen gewachsen und wichtige Studien der Aerosolforschung bestätigen, dass das Ansteckungsrisiko bei Aktivitäten im Freien wesentlich sinkt. Künstlerische und kulturelle Veranstaltungen generell zu verbieten, ohne die lokalen Voraussetzungen zu prüfen, zwischen Innenräumen und Flächen an der freien Luft zu unterscheiden, ist unzulänglich und unfair. Wir schließen uns dem Deutschen Kulturrat an, der bei allem ausdrücklichen Einverständnis mit den Verschärfungen ein Komplettverbot für nicht nachvollziehbar hält: „Ohne Kultur verliert man die Hoffnung“.

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