Sandrine Maheo
Malerei
* 28.05.74
Bildung:École des Beaux-arts de Montpellier (Kunsthochschule, Montpellier, Frankreich)
Index
Text
Leuchtender Staub
Wolkige Formen aus der Sprühpistole
von Christiane Meixner - Tagesspiegel 12.12.2024
Man möchte seinen Blick scharf stellen, sich die Augen reiben - aber nein. Die Malerei von Sandrine Mahéo (...) bleibt auch beim zweiten, dritten Hinschauen so indifferent wolkig wie im ersten Moment. Die Kreisen aus den Bildern fransen aus, ihre Farbe wirken wie leuchtender Staub, den jede hastige Bewegung zu verwehen droht.
Tatsächlich arbeitet die Französin, die schon lange in Berlin lebt, mit der Sprühpistole. Wie vor Jahrzenten schon, Hans Hartung als Pioner der informellen Abstraktion. Für ihn bildeten die leuchtenden Farbfelder allerdings den Hintergrung seiner Pinseschwünge, die schwarzen Linien schienen darauf zu schweben. Mahéo verzichtet auf solche Gesten. Lieber setzt sie auf das Satte Blau, milchige beige, Zitronengelb oder verhaltene Pink ihrer einfachen wiederkehrenden Formen.
Manches wirkt subtil, wie der Blick durch die Luppe auf das Detail eines Impressionistischen Gemäldes. Anderes scheint kurz vor der Explosion, gleichzeitig hält die Künstlerin all die auseinanderstrebenden Kräfte auf der Leinwand. Das unterscheidet sie von Kolleginnen wie Katharina Grosse, die ihre Neon-Pigmente über Sofas und Betten und ganze Gebäude sprüht.
Bei Sandrine Mahéo, die an der Hochschule für bildende Künste in Montpellier studierte, geben Punkte in diversen Größen, Streifen, Kurven und einzelne zeichenhafte Schwünge der Farbe ein Gerüst. Doch selbst diese simplen Figuren verleiten einen immer wieder dazu, etwas Konkretes in ihnen zu erkennen. So wie auf der nahezu quadratischen Leinwand von 2022 (s.o).
Zu sehen sind: drei Sonnen vielleicht, jede von ihnen scheint in gedämpftem Rot wie durch eine Wolkenschicht. Eine hellere Fläche verläuft von oben nach unten, hinterlässt Spuren, die dunkleren Farben des Bildes wirken von ihr wie ausgewischt. Konzentriert man sich ganz auf die Zonen des Übergangs wird die unbetitelte Arbeit zum Vexierbild; dann formen die dunklen Ränder die Silhouette einer nächtlichen Stadt mit expressiven Türmchen und Giebeln.
Diese Vieschichtigkeit braucht Zeit zum Entdecken. Die Größe der Leinwände unterstreicht Mahéos Ansinnen, ein immersives Kunstwerk zu schaffen, das Eintauchen ermöglicht. Sie selbst sucht jenen Kipppunkt, an dem die von ihr gemalten Formen die Farbe gerade noch an sich binden, zugleich aber nach Autonomie streben und nichts andere als pure Materie sein wollen. Man spürt und sieht das in der ersten Soloschau der Malerin, die Galeristin Gilla Lörcher zu sich eingeladen hat. Vor wenigen Monaten ist sie in ihre neuen Räume in Charlottenburg gezogen. Mahéos Ausstellung ist der Auftakt einer künftigen Zusammenarbeit. Beides überzeugt.
Vita
Vertretung: Galerie Gilla Lörcher | Contemporary Art Berlin
Schulische und berufliche Ausbildung
09/1997 - 06/1999 Kunststudium mit Schwerpunkt Malerei
Hochschule für Bildende Künste, Montpellier/Frankreich
Abschluss: D.N.S.E.P, Höheres Nationales Diplom für bildnerischen Ausdruck
09/1994 - 06/1997 Kunststudium mit Schwerpunkt Kunst
Hochschule für Bildende Künste, Montpellier/ Frankreich
Abschluss: D.N.A.P, Nationales Diplom der Bildenden Künste
09/80 - 07/1992 Lycée du Parc Chabrière in Oullins/Frankreich
Abschluss: Abitur mit Schwerpunkt Wirtschaft
11/2003 - 06/2004 Ausbildung in D.A.O - Computer-Graphik
Ecole Brousse d’arts graphiques, Multimedia und Fotographie, Montpellier
Ausstellungen, Veröffentlichungen und Kunst am Bau
2025 Vollbildmodus #2, Gruppenausstellung, Galerie Gilla Lörcher, Berlin-Charlottenburg
Vollbildmodus #1, Gruppenausstellung, Kunstraum 21, Bonn
Accrochage, (G) Galerie Gilla Lörcher, Berlin Charlottenburg
2024 /11 Erscheinungsstrukturen, Einzelausstellung, Galerie Gilla Lörcher, Berlin
2024 Gruppenausstellung, Galerie 1565, Hamburg
2023 Sweet Colors, Leitung eines Workshops für Malerei Nationale Kunsthochschule Limoges, F
2023 16. Lange Nacht der Bilder, Studios-ID, Berlin-Lichtenberg
2022 15. Lange Nacht der Bilder, Studios-ID, Berlin-Lichtenberg
2021 Kunst-am-Bau (2. Platz), Schulneubau Alle der Kosmonauten, Berlin
2021 Konferenz Une couleur de trop („Eine Farbe zuviel“), Nationale Kunsthochschule Limoges, F
2020 Peinture plate, Gruppenausstellung, Galerie Bernard Jordan, Paris
2019 Einzelausstellung, Galerie Bernard Jordan, Paris
2019 Kunst am Bau, Selma Lagerlöf Grundschule, Marzahn Berlin (2. Platz nach dem Preisgericht)
2018 100, Gruppenausstellung, Galerie Axel Obiger, Berlin
2016 À vue, Duoausstellung, Galerie Axel Obiger, Berlin
04/2014 Mit Glitzer, Wandmalerei und Einzelausstellung, M.J.C von Ris Orangis, Frankreich
05/2012 Drawing Room, Kunstzentum Carré Sainte-Anne, Montpellier, Frankreich
10/ 2011 Wandmalereien, Kindertagesstätte Playground, Berlin
02/2010 Digitale Zeichnungen, Einzelausstellung, Kunstraum Alice Gryphius, Berlin
09/2009 Into Nature, Gruppenausstellung, Project Space Grünerhunde, Berlin
03/2009 Veröffentlichung von Zeichnungen, Revue für Recherche und Kreation „Los Flamencos no comen“ n°13, n°12, n°11, Frankreich/Deutschland
02/2008 Viel Glück!...Viel Spaß! , Wandmalerei und Einzelausstellung, TAKT Galerie, Berlin
01/2008 Jungle, Wandmalerei Einzelausstellung, Galerie 35, Berlin
03/2009 Veröffentlichung von Zeichnungen
Revue für Recherche und Kreation
„Los Flamencos no comen“ n°13, n°12, n°11, Frankreich/Deutschland
04 / 2007 Wandmalerei, Jugendeinrichtung Bezirkamt Mitte - Kinderklub, Berlin
04-2005 Dessins, petits et grands
Kunstzentrum Vallon du Villaret, Bagnols-Les-Bains , Frankreich
06-2004 Jardins publics / Jardins privés
Galerie Aldébaran, Castries/Frankreich
Dessin? Kunstzentrum Carré Sainte-Anne, Montpellier, Frankreich
2003 Biennale des jeunes créateurs d´Europe et de la Méditerrannée, Athènes, Griechenland
2001 Kunst am Bau, Wandmalereien, Kinderchirurgie Abteilung,
Hôpital Edouard Herriot, Lyon, Frankreich
Stipendien
09/2004 Arbeitsstipendium, Regionaldirektion für Kulturangelegenheiten Languedoc- Roussillon
05/1998 -06/1998 Arbeitsstipendium, , Akademie der Bildenden Künste, Sint- Lucas, Brüssel /Belgien