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Auszug: "Das seit 2014 stillgelegte Kongresszentrum ICC sollte zum Teil für Künstlerinnen und Künstler geöffnet werden. Das sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Linken, Katalin Gennburg, dem rbb. Sie kritisierte dabei auch den bisherigen Umgang mit dem Baudenkmal als "absolut nicht in Ordnung": Es sei nicht nachvollziehbar, dass das ICC bis 2017 noch für Flüchtlinge genutzt wurde, seitdem aber "vergammelt", so Gennburg. "Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg." ... Mit Blick auf den fehlenden Raum für Kunstschaffende in Berlin sei die Teilöffnung des riesigen Gebäudes an der Messe auch eine Möglichkeit, den Kreativen der Stadt während der Pandemie zu helfen. Gennburg hat dabei nicht nur die weiten Flure und Säle des ICC im Blick, sondern auch die große Bühne in Saal 1. Eine ähnliche Forderung hatte zuvor bereits der berufsverband bildender künstler*innen berlin aufgestellt. ... Unterstützung für ihren Vorschlag bekommt Gennburg von Berlins Atelierbeauftragten Martin Schwegmann. Die Stadt habe bis zu 10.000 bildende Künstler, aber nur 1.000 geförderte Ateiliers und Atelierwohnungen. Er kritisierte, dass ihm der zugang zum ICC für eine Prüfung der Örtlichkeiten bisher verweigert worden sei. Er forderte auf Nachfrage des rbb, das ICC "kurz- und mittelfristig für eine Kunst und Kulturnutzung teilzuöffenen". Als Vorbild verwies Schwegmann auf das einst von Abriss bedrohte Haus der Statistik, das derzeit im Rahmen eines Pionierprojektes mit Kunst- und Kulturnutzung erschlossen wird. ..."

05.10.2020, artconnect, Author: Julianne Cordray - The opening of Studio Berlin at Berghain was a main feature of this year’s Berlin Art Week. But the large-scale exhibition, which showcases contemporary art from Berlin and has made it possible for the famous club to open its doors again, has also been met with criticism over the fees paid to participating artists. ... In a Tweet from September 9, the bbk berlin (professional association of visual artists) mentions this and also questions the use of such a substantial amount of public funds to produce an exhibition without running an open call or including a jury process. Speaking about the fees, Zoë Claire Miller, the spokesperson of bbk berlin, elaborates: “It is extremely problematic to pay artists such low fees in an exhibition with so much funding and of such large scale. This continues the myth that it is morally acceptable if everyone in the art world except the artist can live off of their work.” In 2016, bbk berlin, together with the city’s communal galleries negotiated minimum wage standards for artists presenting artistic works or performances in publicly funded projects. A special fund, anchored in the state budget, was created exclusively for Berlin’s municipal galleries, which Miller describes as “chronically underfunded”. The fund ensures payment of artist fees without cutting into the overall production of the exhibition. This “Berlin Model” includes a payment scale that corresponds with the number of artists participating in a project — as all artist fees are taken from a single fund. This means, for an exhibition featuring one to two artists, the minimum payment is €1,500 per artist, and the more artists participating the lower the fee becomes. For larger projects featuring more than 30 artists, a minimum of €100 is to be paid to each artist. The wage paid to Studio Berlin artists is considered to have met the minimum standards as set forth in this payment scale. But, these standards are specifically oriented towards municipal galleries, which are smaller in size, have a much lower budget for individual exhibitions, and are not allowed to charge entry fees. The question being raised is, should the minimum requirement for artist fees, as set for municipal galleries with far lower budgets, remain the same for an exhibition of this scale and with this kind of financial backing? ...

Am 18. und 19. September 2020 fand in der Inselgalerie das Symposium WEGLÄNGEN zur gleichnamigen Ausstellung mit vier Paneldiskussionen unter folgenden Schwerpunkten statt: 1. Impulse: Modellprojekte | Künstlerinnenförderung des Senats | WEGLÄNGEN-Rückblick | 2. Verbände und institutionelle Strukturen - Erfahrungen: bbk berlin - Soziale Belange und Produktionsbedingungen | GEDOK-Netzwerk | Künstlerinnen-Residenz Prösitz | Frauenmuseum Bonn | alpha-nova&Galerie futura an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und politischer Praxis u.a. | 3. Neue Initiativen von und für Künstlerinnen: Initiative Kunst+Kind Berlin | MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig | Neue Wege Kunstgeschichte weiblicher zu schreiben u.a. | 4. Ausblick und Fazit: Neue Formen der Künstlerinnenförderung in Berlin | Künstlerinnen der aktuellen Ausstellung in der Inselgalerie und ihre künstlerischen Positionen | Gemeinsames Statement aller Teilnehmerinnen. | In Kürze wird auf der Website der Inselgalerie ein repräsentativer Video-Mitschnitt des Symposiums veröffentlicht werden.

Symposium Inselgalerie

29.09.2020 | Der Sprecher*innenkreis der Koalition der Freien Szene kritisiert Teile der Ausschreibung “Draussenstadt” und den Prozess der Vergabe an die Bezirke im Rahmen von “Draussenstadt”. Die Ausschreibung “Draussenstadt” der Kulturprojekte Berlin weisst Mängel in Transparenz und Zugänglichkeit auf. Es ist nicht ersichtlich, wie die Jury zusammengesetzt wird. In keiner Zeile wird erwähnt, auf welcher Grundlage und mit welcher Expertise die Mitglieder der Jury einberufen werden. Auch geht nicht aus der Ausschreibung hervor, ob die Jury alle Sparten der Künste abbildet. Durch die Beschränkung der Einreichungen nur auf die deutsche Sprache, werden in einer internationalen Kunst- und Kulturszene, Künstler*innen von der Vergabe ausgeschlossen.

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Berliner Zeitung, 13.09.2020, Harry Nutt: Kultursenator Klaus Lederer ist in die Kritik geraten, weil er 250.000 Euro ohne Ausschreibung für eine Ausstellung im Berghain bewilligt hat. Doch gerade jetzt darf Kulturpolitik nicht engstirnig sein. ... Die Erhöhung der Mittel der Ankaufskommission des Bundes sei diesbezüglich eine hilfreiche Ansage gewesen. Und eine sehr leicht umzusetzende Maßnahme könnte sein, die Mehrwertsteuer für den Kunsthandel zu reduzieren. Wenn das passieren würde, so prophezeit die ebenfalls zum Gespräch geladene Galeristin Esther Schipper, wäre morgen der Verkaufsboom da. „Der Staat würde sogar noch mehr verdienen an der Kunst, als er verliert. Dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“ Aber es scheint nicht immer so einfach zu sein, der Kunst und den Künstlern zur Seite zu springen. So hält es der berufsverband bildender künstler*innen berlin (bkk berlin) „bei aller Liebe“ zum Berliner Club Berghain für fragwürdig, dass eine Viertel Million Euro an öffentlichen Mitteln „ohne Ausschreibung oder Jury“ in die von der von der Boros Foundation organisierte Ausstellung geflossen sei. Das Geld, sah sich Berlins Kultur-Senator Klaus Lederer genötigt festzustellen, komme aus einem Haushalts-Sondertopf, der explizit für förderungswürdig befundene Projekte zur Verfügung stehe. Lederer verwies in diesem Zusammenhang auf die hohe Relevanz des Berghains für die Berliner Kultur. Die Beispiele zeigen, dass die kulturellen Institutionen und deren Akteure immer stärker Gefahr laufen, in einen erbittert geführten Verteilungskampf um Fördermittel verstrickt zu werden. Das Geld wird nicht für alle reichen, und die anschwellende Diskussion markiert ein kaum zu behebendes Dilemma: Die Ausstellung im Berghain war einerseits ein wichtiges Signal sowohl für die darbende Klubszene, verweist andererseits aber auch auf eine Gerechtigkeitslücke beim Kampf ums kulturelle Überleben. (Auszug)

Die Koalition der Freien Szene Berlin ist erschüttert über die Förderpraxis der Stiftung Kulturfonds bei der Vergabe der Projektförderung für kunstvermittelnde Akteure im Rahmen des Sonderförderprogramms 20/21 NEUSTART KULTUR. Laut Ausschreibung können sich Künstler*innenräume, Produzentengalerien, Kunstvereine, Projekträume und solo-selbständige Akteur*innen für diesen Zuschuss bewerben – also all jene kunstvermittelnden Akteur*innen, die durch die Corona-Krise in Not geraten sind. Leider findet sich in der Ausschreibung auch der Hinweis: „Honorarauszahlungen der/s Zuwendungsempfängers/in an sich selbst sind nicht zulässig („In-Sich-Geschäft“), sog. Eigenhonorare daher ausgeschlossen.“ ... Nachdem die Künstler*innen und Kulturschaffende bereits in ähnlicher Weise von den Corona-Zuschüssen des Bundes (und der Grundrente) ausgeschlossen wurden, sollen sie nun also auch noch aus der Förderungsmatrix von Kunst und Kultur fallen. Wir fordern, dass das Bewerbungsverfahren für das Sonderprogramm zunächst ausgesetzt und angepasst wird, um eine Finanzierug der Eigenleistung von Künstler*innen und Kulturschaffenden wie bislang immer und überall möglich zu gewährleisten. Die Antragsfrist muss dann entsprechend verlängert werden, damit auch selbstständige kunstvermittelnde Akteur*innen sich bewerben können.

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Tagesspiegel, 07.09.2020, Birgit Rieger: Die Pandemie zwingt den Kunstbetrieb zum radikalen Umdenken, das wird zum Start der Art Week deutlich. So wird sich die Berliner Kunstwelt verändern.... Bei vielen geht es ums wirtschaftliche Überleben. In Berlin geht es jetzt immerhin wieder mit Ausstellungen los. Die von Wirtschafts- und Kultursenat finanzierte Art Week, das Gallery Weekend – in diesem Jahr sind sie wichtiger denn je. Künstlerin Heidi Sill ist soeben in den Vorstand des Berufsverbands Bildende Künstler*innen (bbk berlin) wiedergewählt worden. Die Nöte ihrer Berufskollegen hat sie in den vergangenen Monaten hautnah mitbekommen. Bei vielen geht es ums wirtschaftliche Überleben, manche brauchen gerade ihr Erspartes auf. Ausstellungen werden verschoben, Nebenjobs brechen weg. Da ärgert es Sill und den bbk berlin, dass die Corona-Selbstständigenhilfen des Bundes für Künstlerinnen nicht greifen. Nur die Betriebskosten können abgefangen werden, die gibt es aber bei Künstlern kaum. Zur Finanzierung des täglichen Bedarfs bleibt nur Hartz IV.

Tagesspiegel, 08.09.2020, Deike Diening: Nach Zahlen der Künstlersozialkasse verdienen Berliner Künstlerinnen im Schnitt 9000 Euro im Jahr, Berliner Künstler 11.000. Auf so niedrigem Niveau haben auch kleine Ausfälle große Folgen. Viele verdienen ihr Geld mit zusätzlichen Jobs in der Kulturszene oder als Volkshochschullehrer - auch dort brach vieles weg. Die Berliner Soforthilfen seien bei 75 Prozent der Bedürftigen angekommen, sagt Bernhard Kotowski, Geschäftsführer des berufsverbandes bildender künstler*innen berlin, über 2.400 Mitglieder aller Kunstrichtungen im Rücken. Da habe Berlin seinen Künstlern schon besser geholfen als andere Länder. Jedoch: Die Rezeption fand monatelang nicht statt. Die Künstler waren schlagartig nicht mehr sichtbar. „Das ist in diesem Betrieb tödlich.“ Zusätzlich haben sie mit einer Spendenaktion 70.000 Euro gesammelt und verlost, eine große Einzelspende an den Verein bringt jetzt noch einmal 29 Künstlern je 2000 Euro. Vonseiten Berlins läuft die Bewerbungsfrist für 2000 zusätzliche Stipendien á 9000 Euro. Trotzdem steige der Beratungsbedarf zu Hartz IV. Der Großteil der existenziellen Krisen, sagt Kotowski, werde erst jetzt kommen, wenn die Soforthilfen aufgebraucht sind. (Auszug)

An die Berliner Bundestagsabgeordneten der Fraktionen der CDU und der SPD: Die aktuelle Form der Grundsicherung sei "für viele Solo - Selbständige ein sehr faires Angebot, um die finanziellen Einbußen infolge der Corona- Krise zu verkraften", so die Staatsministerin für Kultur und Medien im Juni. Nein, das sehen wir nicht so. Denn: der befristet "vereinfachte Zugang" zum Arbeitslosengeld II, den Sie jetzt verlängern wollen, ändert nichts an der Substanz von Hartz IV. Es bleibt bei einer aufwendigen Bedürftigkeits- und Einkommensüberprüfung nicht nur der Antragstellenden, sondern ihrer ganzen Familie, es bleibt bei der grundsätzlichen Verpflichtung, dem Arbeitsmarkt uneingeschränkt zur Verfügung zu stehen - wenn das Jobcenter zu dem oft willkürlichen Schluss kommt, die Einnahmen aus der selbständigen Tätigkeit würden dauerhaft zum Lebensunterhalt nicht ausreichen. Aber woher sollen in vielen Fällen die Einnahmen angesichts der Coronaeinschränkungen und deren Folgen kommen? Für Künstler*innen heißt das früher oder später: Call-Center statt Konzertsaal, Galerie, Atelier und Bühne. Es muss aber doch jetzt darum gehen, gerade künstlerisches Arbeiten trotz Corona längerfristig zu gewährleisten!

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Im September 2020 schafft die rechtsnationale Regierung Viktor Orbáns die Universitätsautonomie ab. Ein von der Regierung ernanntes Kuratorium hat so gut wie alle Leitungsbefugnisse innerhalb der bis dato selbstverwalteten Budapester Universität für Theater- und Filmkunst (SZFE) übernommen. Präsident dieses Kuratoriums ist Attila Vidnyánszky, Intendant des Nationaltheaters und Orbáns beratende Kraft in allen Kulturfragen. Seit Orbáns Amtsantritt ist er maßgeblich daran beteiligt, die ungarische Theaterlandschaft durch Umbesetzungen unter die Kontrolle der Regierung zu bringen.

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