zwischen den Polen
Eine Skulptur für den Versailler Platz, Potsdam (Wettbewerbsthema „Toleranz“), 1. Preis & Realisierungsempfehlung
Schon aus der Ferne erkennbar hebt sich die weiße Steinskulptur effektvoll vor dem Grün der Bäume ab. Ihre Metallelemente schimmern edel im Tageslicht. Die Szenerie strahlt Ruhe und Harmonie aus. Dabei wirkt sie zugleich klassisch und experimentell, abstrakt und figürlich, ernst und humorvoll.
Das gesamte Ensemble trägt wesenhafte Züge. Doch diese Figur schultert ihre Last nicht, wie ihre Vorgängerin auf dem Kirchengiebel: Gelassen und aufrecht trägt sie das große Volumen auf dem ‚Kopf’ – wie europäische Bäuerinnen vergangener Jahrhunderte und afrikanische Frauen, die bereits in ihrer frühen Jugend eine spezielle Gangart erlernen, um große Gewichte über weite Strecken zu transportieren. In diesem Sinn ist auch Toleranz eine Frage der Haltung und Technik. Je früher wir sie erlernen, desto selbstverständlicher gelingt es uns als Erwachsene, abweichende Meinungen zu (er-)tragen.
Jede Gesellschaft setzt sich zusammen aus disparaten, zum Teil widerstreitenden Positionen und kulturellen Eigenheiten, die ihr in Summe einen einzigartigen Charakter verleihen. zwischen den Polen verkörpert dieses Phänomen, indem die Skulptur Motive und Materialien verschiedener Prägung in einer Figur vereint. So versinnbildlicht das visuelle Ertasten dieser kontrastreichen Komposition die Voraussetzungen für eine Entfaltung von Toleranz: Denn diese entsteht durch die Hin- und Her-Bewegung zwischen verschiedenen Polen. Auf diese Weise kann Wachstum geschehen und Neues entstehen. Mit Humor und Abstand zur eigenen Befindlichkeit können wir uns für andere öffnen. Balance wird möglich, und das Streben nach Gleichgewicht und Harmonie als eines der Prinzipien des Universums kann sich in unserer Haltung manifestieren.
Geladener Kunst-Wettbewerb, 1. Preis und Realisierungsempfehlung
Auslober: Lelbach-Stiftung, Potsdam (D)
Wettbewerb: 2025