Public Intervention
White raft with an outboard motor,
2,50mx3,90m
Berlin 2012-2017

Das Projekt Weißensee – eine schwimmende weiße Fläche, mit Außenbordmotor und Schifffahrtsgenehmigung für die Berliner Wasserwege – verwandelt die Idee eines urbanen Freiraumes in einen konkreten Raum. Areal und Fahrzeug in einem bietet es in mehrfacher Hinsicht Gelegenheit für situationistisch-künstlerische Raumforschung. Die Floßoberfläche baut in ihrer Ästhetik einen direkten Bezug zu einer weißen Fläche auf, ähnlich wie die eines weißen Blattes Papiers, einer weißen Leinwand, einer Projektionsfläche im doppelten Sinn. Die Tableaus und Szenen, die auf ihr entstehen, entwickeln sich aus dem Erlebten und Gefundenen im Berliner Stadtraum. Um der endemischen Bedrohung der Berliner Stadtlandschaft mit ihrer schwindenden Vielfalt an Baulücken und Brachen etwas zu entgegnen, realisiert die skulpturale Gestalt des Floßes die nonkonforme Idee einer urbanen Freifläche jenseits einer profitorientierten Verwertungslogik von öffentlichem Raum.
Die Weißensee generiert auf idiosynkratische und thematisch komplexe Weise ein urbanes Raumexperiment, in dem der Berliner Stadtraum um neue Areale und Möglichkeiten erweitert wird. Sie ist der Versuch, sich der kontrollierten Nutzung des öffentlichen Raumes zu entziehen und ein eigenes, intentional autonomes Territorium zu definieren, welches jederzeit für jeden uneingeschränkt zugänglich und selbstverwaltbar ist.
Als performative Intervention im Stadtraum wurde die Weißensee von 2012 bis 2014 jeden Sommer täglich auf den Berliner Gewässern bewegt und eingesetzt. Hierbei fungierte das Floß nicht nur als Projektionsfläche für die Träume, Wünsche, vielleicht auch Ängste der an Land Gebliebenen. Es wurde zugleich ein Kommunikationsort plus -transmitter und lud im Vorüberfahren auch Passanten und am Ufer Sitzende zum Beobachten, Teilnehmen und Mitfahren ein. Das Projekt Weißensee ist ein Gegenentwurf zur sozioökonomischen Kontrolle des städtischen Raums und das Abenteuer, denselben spielerisch und egalitär verfügbar zu machen.