performative Reihung "Für Morgen" (1-14)
Vergleichbar eines Reenactments übersetzt Finja Sander in ihrer Performancereihe "Für Morgen" Ernst Barlachs Mahnmal »Der Schwebende« (1927) in ihre eigene Körperlichkeit und befragt dabei sowohl Erinnerungskultur als auch Denkmalgeschichte. Für die Dauer von einer Stunde hängt die Künstlerin horizontal in einem raumgreifenden Metallgestell über dem Boden – reglos und mit geschlossenen Augen. Gehalten wird sie durch drei Gurte, die auf die originale Konstruktion des »Schwebenden« verweisen.
So inszenierte Finja Sander sich selbst als Skulptur und eindrückliche Erweiterung des Ehrenmals von Barlach, das an die Toten des Ersten und Zweiten Weltkriegs erinnert, bereits an 13 verschiedenen (Gedenk-)Orten in ganz Deutschland.
Anders als traditionelle Denkmäler, die oft Heldentaten glorifizieren, schuf Barlach ein Symbol der Trauer und Schuld. Diese pazifistische Botschaft führte dazu, dass die Nationalsozialisten das Werk 1937 als entartet brandmarkten und einschmolzen. Mit ihrer Performance aktualisiert Finja Sander Barlachs Botschaft in kontemplativer Stille und Unbewegtheit als atmender, lebender Körper. In der Bestrebung, selbst zu einem Objekt zu werden, die eigene Körperlichkeit ein Stück weit aufzugeben und sich dem entstehenden Bild unterzuordnen, wird sie zur Projektionsfläche für die Betrachtenden und schafft eine neue Form kollektiven Erinnerns.