passiv agressiv
Gläserne Kränze, zusammengesetzt aus hunderten Glasbruchstücken, liegen in Schubkarren oder anderen profanen Transportmitteln und warten darauf, wegbewegt zu werden. Sie erinnern in Größe und Form an Trauerkränze, die als Kreis ohne Anfang und Ende für die Ewigkeit, für das Wiederkehrende und für eine Einheit aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft stehen. Die fragilen Objekte wecken Assoziationen an Gedenkfeiern und politische Zeremonien. Zweck und Pathos sind den Objekten jedoch vollständig entwichen. Das Tannengrün ist durch scharfe und kühle Glasbruchstücke ersetzt. Hoffnung weicht einer bedrohlichen Faszination. Gerade angesichts der deutschen Erinnerungskultur wird so die Bekundung der eigenen Schuld oder Trauer als Überleitung zur möglichen Wiedereinführung von Gewalt und Unrecht verstanden, und verweist so auf Gesten politischer Machtdemonstration und nationalistischer Abgrenzung.
Text: Nikolas Geier