Susanne Bürner

moving walls

2025

Die Serie präsentiert Fotografien von Gebäudefassaden in Berlin-Mitte, die auf Stoff gedruckt, geschichtet, collagiert und erneut fotografiert wurden. Die abgebildeten Gebäudewände – zum Beispiel die der Botschaft der Tschechischen Republik in Berlin – repräsentieren Berlins Architekturgeschichte, oft in Form von vorgefertigten Plattenbauten. Übereinandergelegt werden die bedruckten Stoffe zu Membranen zwischen diesen Gebäuden. Ihre unterschiedlichen Materialien verschmelzen mit den Bildern darauf. Bei näherer Betrachtung werden verschiedene Webmuster erkennbar. Fäden hängen von den rauen Kanten der Textilien. Diese haptischen Qualitäten kontrastieren mit den darauf gedruckten Fassadenbildern, die als Trompe-l'oeils die Realität simulieren. Auf diese Weise wirken Fassaden, die üblicherweise als Grenzen architektonischer Körper wahrgenommen werden, weich und greifbar.
Die Textilien spielen auf Gilles Deleuzes Konzept der Falte an, die er als Prozess der Transformation und Veränderung betrachtet. Durch das Falten entstehen unendlich neue Beziehungen zwischen den jeweiligen Formen. Aspekte von Außen und Innen verschmelzen und verwischen ihre Grenzen. Das Innere der Fassaden lässt sich daher nicht mehr von ihrem Äußeren ableiten.
Die Fotografien verweisen auf den Akt des Sehens selbst – auf den Versuch, durch Sehen zu verstehen.
In diesem Sinne lädt uns Mitte dazu ein, Grenzen neu zu überdenken, indem es physische und räumliche Dualitäten dekonstruiert. Es hinterfragt formale Prinzipien und thematisiert das Dazwischen auf verschiedenen Ebenen. Basierend auf der Architektur Berlins stellt Mitte unser räumliches Bewusstsein über die Architektur hinaus in Frage.

Mitte, Installationsansicht der Ausstellung moving walls, Plakatwand auf der Torstrasse Berlin, Kunstverein am Rosa-Luxemburg-Platz, 2025