Sarah Ancelle Schönfeld

Labor Lab

2024

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts eröffnete die Isolierung und Entde- ckung der Hormone eine Grenze zu den inneren Leistungswelten des Körpers. Hormone sind Wirkstoffe, die von verschiedenen Drüsen, Or- ganen und dem Gehirn produziert werden, das Wachstum anregen und als chemische Botenstoffe die Physiologie und das Verhalten regulieren. Die ersten Hormone, Vitamine und Enzyme wurden in der deutschen Sprache unter dem Begriff Wirkstoffe zusammengefasst. Wirkstoffe regulieren und optimieren unsere innere Wirklichkeit.
In Labor Lab werden Hormone durch ihre Wirkung auf die Wirklichkeit in der fotografischen Bühne gezeigt. In den fotochemischen Herstel- lungsprozess der Bilder werden die Wirkstoffe und Hormone einbezo- gen, die die menschliche Reproduktion im (weiblichen) Körper ermög- lichen, regulieren oder manipulieren. Dieser foto-chemische „Hack“ erlaubt es, die inneren Prozesse von Schwangerschaft, Geburt, Bindung, Empfängnisverhütung und Abtreibung sichtbar zu machen.
Das Wort Hormon leitet sich von dem griechischen Wort ὁρμῶν ab, was „in Bewegung setzen“ bedeutet. Unsere inneren Realitäten sind ständig in Bewegung; Hormone tanzen auf komplexe und kollektive Weise durch den Körper. Diese kollektive Bewegung könnten uns daran erinnern, eine andere Wirklichkeit einzufordern - eine, die Magie und Fürsorge anstelle von Effizienz, Extraktion und Erschöpfung Raum gibt.

Labor Lab, Ausstellungsansicht, Schering Stiftung, Berlin, 2024

Labor Lab, Ausstellungsansicht, Schering Stiftung, Berlin, 2024

Labor Lab, Ausstellungsansicht, Schering Stiftung, Berlin, 2024