SONDER

Habbakuk

2018

Für einen Zeitraum von zwei Monaten wird in Jena eine Überwachungsstation im Deckmantel einer Doppelgarage errichtet. Mit Hilfe verschiedener Aufbauten (Periskop, Kameras, Mikrophon, Smart-Devices, Radar- und Funkgerät, ...) werden jegliche Aktivitäten der nähren Umgebung erfasst und von Sachverständigen im Inneren der Garage an einem Terminal ausgewertet. Ein als Sandhaufen getarntes Vehikel welches lautes Traubengurren von sich gibt, verlässt dabei täglich die Garage um in der nahegelegenen Innenstadt unauffällige Observations-fahrten durchzuführen.

1998 rumorte es in Jena bereits nächtelang aus einer anderen Garage. Zwei Herren und eine Frau tüftelten an einer Kiste, die sie wenig später nachts vor dem Theater der Stadt abstellten, genau dort, wo wir 20 Jahre später das seltsame Gebäude errichten, halb Abhörstation, halb Doppelgarage. Die Kiste entpuppt sich als Bombe, der ein Zünder fehlt. Als Polizeibeamte 1998 die Garage stürmen, tauchen die Bombenbastler unter, um in den kommenden Jahren gleichsam unter Beobachtung und seltsamer Obhut der Agenten des Verfassungsschutzes deutschlandweit als «Nationalsozialistischer Untergrund» zu morden.

Habbakuk spielt mit Bezügen in deutsche Vorstädte genauso wie mit Verweisen in dessen jüngste Geschichte. Alle Elemente sind gefährlich gewöhnlich, doch agieren sie gegen jede Erwartung und werfen Fragen auf. Was passiert eigentlich in deutschen Kellern und Garagen? Welche Gefahren bürgt das, was uns am nähsten liegt? Wer sorgt heimlich für meine Sicherheit? Vertraue ich diesen Leuten? Militarisiert sich dieses Land? Die hypernormale Architekturlässt die Passanten bewusst im Unklaren.

Ansicht der Überwachungsstation

Aussenansicht der Überwachungsstation

Als Sandhaufen getarntes Obervationsfahrzeug im Außeneinsatz