GEMEINSCHAFTSTRAGE - Denkort Corona
DENKORT CORONA “Gemeinschaftstrage“
Eine alltägliche Krankentrage - originalgetreu nachgebaut aus Bronze - allerdings so verlängert, dass Platz ist für Drei. Als künstlerische Intervention im öffentlichen Raum spannt die “Gemeinschaftstrage“ einen offenen Denkort mit interaktiven Handlungsmöglichkeiten auf.
Die bewusste Wahl des edlen Materials Bronze, das traditionell für Denkmäler u.ä. reserviert ist, verwandelt hier einen praktischen aber bescheidenen Gegenstand der medizintechnischen Notfallausrüstung in ein Symbol der Wertschätzung und des Ernstnehmens. Der Kontext des Gedenkens ist dem Material fast schon eingeschrieben. Diese Aufladung mit Bedeutung kann dazu beitragen, dass das vielschichtige Angebot dieses Denkortes auch wahr- und angenommen wird.
Die Besucher und Besucherinnen können sich setzen oder auch hinlegen, etwa um sich in die Situation einer Corona-Patientin im Rettungswagen körperlich hineinzuversetzen. Gerade das Hinlegen ist sehr ungewohnt im öffentlichen Raum. Es mag sich vielleicht ein Gefühl der Vulnerabilität einstellen.
Die Trage bietet auch genug Platz, um - im immer noch gebotenen Abstand - sitzend miteinander ins Gespräch kommen zu können. Hierin findet der Denkort seinen Sinn: im ehrlich gemeinten Angebot der Anwesenden zum Austausch über die persönlichen Erfahrungen mit der Pandemie und in der Bereitschaft, diesen Weg ein Stück weit gemeinsam zu gehen und einen Teil der Last des Anderen mitzutragen.
Denn auch das gehört zu den Erfahrungen in der Pandemie. Viele waren und sind bereit - mit Blick auf die verletzlicheren Bevölkerungsgruppen - Einschränkungen der Entscheidungs- und Bewegungsfreiheit zu akzeptieren. Selbst unter eigenen sozialen, emotionalen und wirtschaftlichen Entbehrungen.
Die “Gemeinschaftstrage“ verkörpert genau dieses Bedürfnis nach Solidarität in Zeiten der Pandemie. Sie symbolisiert gesellschaftliche Verbundenheit über die Grenzen der eigenen Gruppe hinaus. Und sie lädt vor Ort auch direkt dazu ein, diese Werte mit Leben zu erfüllen.
„Einer trage des anderen Last.“ (Gal. 6,2)