Astrid Köppe

Entwurf Cranzbau, BImA Berlin, Grundsanierung Fasanenstraße 87

2025

BImA Berlin, Grundsanierung Fasanenstraße 87
Kunststandort 3, Foyer Cranzbau

Eingeladener Wettbewerb, 8 Teilnehmer. Entwurf nicht ausgewählt.


Erläuterungsbericht

»KAWUMM«
Für das Foyer im Cranzbau schlage ich eine 36teilige, mehrfarbige Wandarbeit aus Industrie-Emaille auf Stahl vor.
Die Wand im Bereich innerhalb der Pilaster zeigt das Hauptmotiv: eine stilisierte Explosion.
Sie thematisiert auf durchaus drastische und humorvolle Art die frühere Funktion des Gebäudes als Militärtechnische Akademie mit ballistischem und chemischem Laboratorium und Schießhalle.
Die dramatische, ephemere Schönheit von Explosionen wird in einem Material festgehalten, das selbst durch chemische Prozesse unter hohen Temperaturen entsteht.
Links und rechts der Pilaster werden als flankierende Zierelemente jeweils zwei Zielscheiben übereinander gezeigt. In ihren Mittelpunkten stoßen je vier der Emailleteile zusammen und bilden so ein „Fadenkreuz“.
Das Motiv ist plakativ und dekorativ – und wird gleichzeitig durch das Material ad absurdum geführt.
Emaille wurde häufig für militärische Orden und Abzeichen verwendet, ist aber für Zielscheiben denkbar ungeeignet: Ein Beschuss wäre ironischerweise eine der wenigen Möglichkeiten, die ungemein widerstandsfähige Oberfläche zu beschädigen. Die Berührung durch Besucher ist jedoch bedenkenlos möglich und ausdrücklich erlaubt.

Zur Technik
Seit gut zwanzig Jahren arbeite ich mit Emaille und schätze diese Technik besonders wegen ihrer einzigartigen gestalterischen und konservatorischen Qualitäten. Sie erlaubt die Überlagerung farbiger Glasschichten, die auf Metall aufgebrannt werden und dabei einen leuchtenden, nahezu unzerstörbaren Farbauftrag erzeugen.
In der Industrieemaille kommt Stahlblech zum Einsatz, hier mit einer Stärke von 1,5 mm. Zur Stabilisierung wird es abgekantet, bei größeren Formaten meist im 90 Grad-Winkel, mit geschweißten Ecken. So entsteht eine Kassettenform, die eine einfache Hängung ermöglicht.
Die Emaillemasse besteht aus gemahlenem Glas mit entsprechenden Pigmenten für die jeweiligen Farben, teils etwas Ton für Opazität, und Zusätzen von Salzen wie Borax als Stellmittel. Die Masse wird nass vermahlen, in Wasser dickflüssig aufgeschlämmt und mit einer Druckluftpistole aufgesprüht. Nach Durchtrocknung wird die Emaille bei ca. 800-900 Grad Celsius in einem Brennofen gebrannt, wodurch die Emaillemasse zu einer Glasschicht verschmilzt. Generell ist pro Farbe ein Brand notwendig. Die Motive werden durch Schablonierung additiv in mehreren Schichten aufgebaut. Eine Emailleschicht ist dabei etwa einen knappen Millimeter stark, was der fertigen Arbeit einen reliefartigen, haptischen Charakter gibt. In meiner Arbeit schneide ich die Schablonen größtenteils von Hand und arbeite meist direkt mit der Emaillemasse.
Zusätzlich kann keramische Siebdruckfarbe verwendet werden. Das bietet sich an, um sehr exakte Formen (Schrift, Linien) zu erreichen. Die Siebdruckfarbe wird dann durch geplottete Schablonen gespritzt und bei geringerer Temperatur in eine bestehende Emailleschicht eingebrannt.
Industrieemaille fand früher oft als Wandverkleidung von U-Bahnstationen Verwendung (z.B.: U9 Berliner Straße). Sie ist extrem robust und abwaschbar. Die Wartung beschränkt sich nur bei Bedarf auf Reinigung mit Lappen und Glasreiniger. Emaille ist unbrennbar und erfüllt damit jegliche Brandschutzauflagen. Zudem ist das Material vollständig recyclingfähig.
Das Prinzip einer größeren Arbeit aus einzelnen Teilen ist beliebig skalierbar und wurde von mir bereits mehrfach eingesetzt.

Umsetzung Cranzbau
Für das Foyer im Cranzbau werden die einzelnen Teile Maße von je 73,5x72x2 cm haben und je ca. 8 kg wiegen. Die Ecken in direkter Nähe zu den Kapitellen und Sockeln der Pilaster werden mit einem Radius von 10 cm abgerundet, um sich besser in die Wandform einzufügen.
Die Schablonen für das Hauptmotiv werden von Hand geschnitten, die Schablonen für die Zielscheiben geplottet.
Alle Teile werden insgesamt fünf- bis sechsmal gebrannt. Erste Schicht: Grundemail, zweite Schicht: Deckemail in Cremeweiß, dann drei bis vier weitere Schichten Deckemail in zusätzlichen Farben.

Farbigkeit
Die Farben des Entwurfes orientieren sich am gedämpften Farbkonzept entsprechend des Befundes. Der durchgehende Grundton der Emaillefläche ist RAL 9001 Cremeweiß.
In der Explosion gibt es RAL 3003 Rubinrot, angelehnt an das Dunkelrot/Rostrot der Fliesen und des Linoleums.
Dazu kommen noch ein kräftiges Reinorange (RAL 2004),Verkehrsgelb (RAL 1023) sowie Verkehrsweiß (RAL 9016).
In den Zielscheiben finden sich RAL 6021 Blassgrün (angelehnt an den Grünton des Sockelstrichs, SCC K2.10.50) und RAL 9016 Verkehrsweiß.

Montage
Die Emaillekassetten sind an den Seiten einfach, oben und unten je doppelt (U-förmig) abgekantet. Sie können daher mit der oberen Abkantung sicher und einfach auf Schraubhaken gehängt werden. Die unteren Bereiche der Kassetten werden mit starken Magneten (Neodymmagneten mit Bohrung für Senkkopfschraube), die an die Rückseite der Bildfläche greifen, an die Wand gezogen und so gesichert.
Die einzelnen Kassetten werden mit einem Abstand von je einem Zentimeter montiert, die Aufhängung ist unsichtbar.

Entwurf Cranzbau

Umsetzung im Raum, Aufteilung in Emaillekassetten

Montage