Stephan Kurr
Index
Text
Nach dem Studium formte sich die künstlerische Entwicklung um Fragen nach Produktionsbedingungen, Autorenschaft und einer öffentlichen Kunstpraxis.
Sehr schnell zeigte sich für ihn, dass die ökonomischen Verhältnisse sehr direkt auf die Möglichkeiten der Kunstproduktion einwirken:
Woher kommt das Geld? Was ist Kunst wert? Was hat das mit mir, meiner Herkunft und meinen Lebensbedingungen zu tun?
Partizipation:
Die Kunstpraxis von Stephan Kurr zeichnet sich durch seine Dialogbereitschaft und die Wechselwirkungen zwischen Autor und Nutzerinnen aus. Oft entstehen Kunstwerke im Austausch mit Kolleginnen, mit Kneipenbesuchern in Helsinki, einer Band in Cali, Kolumbien, einem Blinden in Hanoi, mit jugendlichen Roma aus Berlin, mit Angestellten eines Energieunternehmens, oder als Happenings im öffentlichen Raum, bei denen Menschen spontan mitwirken und selbst choreografieren können.
Für die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen, Berlin entwickelte er mehrere performative Formate im Stadtraum, bei denen die Anwohnerschaft die Protagonisten waren, die gleichzeitig ihren Umgebung kritisch erfahren und befragen sollten, um schließlich dem Senat vielfältige Bedarfe für eine Neuplanung des Stadtraums liefern zu können.
Er gab Seminare zum Thema „Partizipation“ an der Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg.
Aus der Vermittlung künstlerischer Themen erwuchs in der Lehre eine künstlerische Praxis der Vermittlung.
Kunst-am-Bau:
1992-93 reiste S. Kurr mit einem DAAD-Stipendium in den Jemen und studierte dort Bauornamentik. Seit dem gilt sein Interesse der Verschmelzung von Baukörper und Kunst.
Die Kunst-am-Bau für die Erwin-von-Witzleben-Grundschule und die Clay-Schule, beide in Berlin, entwickelte sich über Workshops mit Schülerinnen und Schule. Bei der Clay-Schule besteht die Besonderheit, dass die Kunst-am-Bau parallel zur Architektur in Auftrag gegeben wurde, wodurch im Lauf von 7 Jahren eine enge Zusammenarbeit mit den Architekten entstand und die Kunst im Baufortschritt mit den einzelnen Gewerken in den Baukörper implementiert werden konnte. Hier ist idealerweise die Kunst-am-Bau Teil des Gebäudes. Eine aus der Lebenswelt ihrer Nutzerinnen erwachsene und in diesen zurückgeführte Kunst ist das das Credo der künstlerischen Tätigkeit Stephan Kurrs
Vita
Stephan Kurr www.kurr.org
Geboren in Nürnberg
lebt in Berlin
1983 – 84 Hochschule der Bildenden Künste, Kassel
1984 – 85 Mitarbeit im Atelier von Gerhard Wendland, Leinburg
1985 – 91 Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
1989 Akademiepreis der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
1990 Meisterschüler
1991 Preis der Absolventen der Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg
1992 / 93 DAAD - Reisestipendium, Jemen
1993 - 96 Assistent von Prof. Werner Knaupp, AdBK Nürnberg
1996 Arbeitsstipendium des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst des Freistaats Bayern
für junge Wissenschaftler und Künstler
1998 Debütantenpreis des BBK Bayern
2000 Mitbegründer des Ausstellungsraums sox36, Berlin
2001 Visiting artist an der Concordia University, Montréal
2003 Visiting professor an der Concordia University, Montréal, DAAD - Kurzzeitdozentur
2004 Katalogstipendium der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Berlin
Stipendium des Helsinki International Artist-in-Residence Programms, HIAP, Helsinki
2005 Gewinn des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs für die Kantine der gasag-AG im Shell-Haus, Berlin
2010 Dozent für die „3rd. Open Academy Vietnam“, Vietnam
Gewinn des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs für die Erwin-von-Witzleben Grundschule, Berlin
2012/13 Seminarmodule: "Kritische Kunstvermittlung und partizipative Strategien“ mit Gundula Avenarius und "Kunstvermittlungsansätze und -strategien im Vergleich“ mit Anna Zosik, für den Fortbildungslehrgang „Besucherorientierte Kunstvermittlung“ des Career College der Universität der Künste, Berlin
2013 Gewinn des Wettbewerbs „Temporäre Kunstprojekte auf der Marzahner Promenade“, Berlin
Projektfonds Kulturelle Bildung, Berlin für den Film „Elementarwerk“ mit der Erwin-von-Witzleben Grundschule, Berlin
2016 - 17 Ausbildung zum Trainer für „Diversitätsbewuste Kulturelle Bildung“ an der Akademie Remscheid
in Kooperation mit der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
2017 Gewinn des Kunst-am-Bau-Wettbewerbs für die Clay-Oberschule, Berlin
2018 - 20 Lehraufträge an der Carl von Ossietzky Universität, Oldenburg: „Kunst und Partizipation – Formen künstlerischen Handelns zwischen Setzung und Auftragsarbeit“; „Künstlerische Formen der Kollaboration – Filmen als Kollektiver Prozess – im Kontext Kunst, Schule und Jugendarbeit“
2025 Residenzstipendium zumikon-Kulturstiftung, Nürnberg
Arbeiten und Interventionen im öffentlichen Raum, Kunst am Bau und partizipative Projekte, Ausstellungen (Auswahl):
2024 „den Wald voll lauten Bäumen“, Landartprojekt, Symposium Wuhlheide, Berlin
2019 „Wer wir sind und was wir tun“, Mitte Museum, Berlin
„Eine gemeinsame Bewegung“ zur Eröffnung der „13th International Arte Laguna Prize“,Venedig, Arsenale Nord, mit Alessio Trevisani
2018 „Plakat politisch machen - 60 Jahre Kunst im Untergrund“, 6 Hintergleisplakate auf dem Bahnsteig der U5 Bahnhof Berlin-Alexanderplatz, kuratiert von der nGbK Projektgruppe „Kunst im Untergrund“
2017 Nominierung KaB für Neubau der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Berlin (3. Platz)
2016 Nominierung Kunstwettbewerb „Erinnern und Mahnen an Rostock-Lichtenhagen 1992“
Nominierung KaB Hans-und-Hilde-Coppy-Oberschule, Berlin (2. Platz)
2015 Konzeption und Durchführung verschiedener Formate von Erkundungen des Stadtraums rund um den Berliner Fernsehturm, im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt für „Alte Mitte, neue Liebe“ - Stadtdebatte Berliner Mitte 2015, in Zusammenarbeit mit Veronika Brugger (Architekturvermittlung), Phillip Wehage (Architekt und Stadtplaner) und Maria Simons (Austellungsdesign)
Nominierung KaB Soziales Begegnungszentrum SBZ Rostock-Dierkow (2. Platz)
2013 “Wachstum“, bearbeiteter Baumstumpf im Dessau-Wörlitzer Gartenreich und Ausstellung der davon abgenommenen Holzschnitte in der Anhaltische Gemäldegalerie im Fremdenhaus, Dessau
„Eine gemeinsame Bewegung“, kollektive Begehung der Marzahner Promenade, in Kooperation mit dem Choreografen Alessio Trevisani, Berlin-Marzahn
"B für Beobachtung" – Animierter Film mit einer 8ten Klasse zu medizinischen Versuchen an Kindern während des Nationalsozialismus für das Geschichtslabor der Gedenkstätte Wiesengrund in Berlin-Reinickendorf
2012 "Das Bild das wir haben“, zwei Textbanner für die Fassade der Anhaltische Gemäldegalerie Schloss Georgium, Dessau
"¿¡Arbeit!?“, Zeichnung im Dialog mit Studenten der Carl-von-Ossietzky Universität, Oldenburg für "alles ist Arbeit ist alles“, öffentl. Räume Oldenburg
Nominierung KaB Staatliche Ballettschule, Berlin
2010 – 11 "...höher, weiter“, Realisierung eines Kunst-am-Bau-Auftrags als partizipatorisches Projekt mit und für die Erwin-von-Witzleben-Grundschule, Berlin
"Kayasi Kent A4“, Photocopy-Fanzine-Project im Stadtraum und Ausstellung bei DEPO, Istanbul, kuratiert von Dilek Winchester
2009 - 10 "19 Freiheiten“, mit María Linares, Projekte zum Grundrecht mit Neuköllner Jugendlichen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunst im Kontext der UdK, Berlin und dem Kulturnetzwerk Neukölln, Katalogkonzeption und Dokumentation der Studierenden und Jugendlichen und Videoinstallation in der Galerie im Körnerpark, Berlin
2009 "HELD DU HELD" Videoinstallation mit jugendlichen Roma aus Berlin, im Auftrag von Biro Beograd für „On Use Value of Art – Art as a Social Practice"; gezeigt bei Cultural Center REX, Belgrad, Serbien und Babel Art Space, Trondheim, Norwegen
Zeichentrickfilm-Projekt mit einer Klasse der Realschule Ofenerdiek, für "ausgezeichnet! - Zeichnung zwischen Kunst und Wissenschaft", Landesmuseum "Natur und Mensch“, Oldenburg
2008 “Man kann hier keine Wahrheiten erwarten“, Ticket-Counter und Infostand für die Kunstvermittlungsagentur Art:Berlin, Kunstmesse Art Forum, Berlin
Versteigerung einer „Geldplastik“ für "Was ist das WERT“, Europäisches Kunstzentrum Hellerau, Dresden, kuratiert von Peter und Harriet Meining
2006 – 08 „Take Away“, Realisierung eines Kunst-am-Bau-Auftrags als partizipatives Projekt für die Kantine der gasag-AG, im sog. Shell-Haus, Berlin
2006 "Aufzugbar“ performative Intervention bei "Pilotprojekt Gropiusstadt“, Berlin
2004 "Art Exchange“ für “Pimeä“, Nachbarschaftsprojekte im Stadtteil Kallio, Helsinki, Finnland
"Under the Bridge“, situationistische Praxis im Stadtraum, kuratiert von Biro Beograd und Alexander Mikolic, Belgrad, Serbien
„Erste Entscheidung“, Künstlerbuch, Revolver - Archiv für aktuelle Kunst, Frankfurt/Main
„Artist Statement“ Videoinstallation, Eastern Edge Gallery, St.John’s, Newfoundland, Kanada
2003 "El Dorado", (in Kooperation mit Jo-Anne Balcaen) dauerhafte Intervention im Galerieraum der SAW-Gallery, Ottawa, Kanada
2002 „Währungstausch“, Kunst Galerie Fürth
2001 „If we were Kings“, Kunst und Medienzentrum Adlershof, KMZA, Berlin
2002 Einlagerung eines Küchentischs mit Bank und Deckenleuchte in Neue Kunst im Hagenbucher, Heilbronn
2000 “Wegen Selbst Aufgabe“ Einzelausstellung in der Galerie Gruppe Grün, Bremen
“Sozialmaschine Geld“, O.K Centrum für Gegenwartskunst, Linz
1998 "6 Bänke für den Stadelmeier Platz“, für "arcus – Nürnberg – Nizza“, partizipatives Projekt für ein Firmengelände
1997 - 99 "Grenzgängertournee", Interventionen im öffentlichen Raum:
für "Arte Pubblica. Progetti ed esperienze europee", Spazio Oreste, 48. Biennale, Venedig
Estació del Nord (Hauptbahnhof), Valencia, Spanien
Estación Central (Hauptbahnhof), Alicante, Spanien
Hôtel de la Région du Limousin (Landtag), Limoges, Frankreich
Galerie La Station, Nizza, Frankreich
Maison de la Culture, Amiens, Frankreich
CRÉDAC d’Ivry, Paris
für das „Festival de Teatro en la Calle de Alcorcón“, Madrid, in Kooperation mit Fast Food,
für "Picturale Est", CRAC Alsace, Altkirch, Frankreich
anlässlich des Ökumenischen Kirchentags, Fürth
für "Når det fremmede foruroliger", Sønderjyllands Kunstmuseum, Tønder, Dänemark
am Checkpoint Charlie, Berlin
1997 "Einlagerung einer Idee", SchmidtBank, Nürnberg
"Verkauf von Optionen auf ein Kunstwerk", Anzeige Kapitalmarkt FAZ
1996 "Versteigerung einer Geldplastik", Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg
1993 "general view", dauerhafte Intervention im Bibliothekscafé der UNESCO in der Samsara Al-Mansuriah, Sana'a, Jemen
1992 "12 Häuser", temporäre Intervention in 12 Bushaltestellen, Nürnberg
Sammlungen:
Neues Museum Weserburg, Bremen
Bayrische Staatsgemäldesammlung, München
Berlinische Galerie, Berlin
BASF, Ludwigshafen
Anhaltische Gemäldegalerie, Dessau
Mtte Museum, Berlin