KiöR Künstler*innen

Borgman | Lenk

www.borgmanlenk.com

Installation / Objektkunst, Skulptur, Lichtinstallation, Fotografie, Land Art

Mitglieder:
Anna Borgman, Candy Lenk

Index

Beschreibung

Borgman | Lenk

Anna Borgman

1975 born in Århus, Denmark
1995-97 Aarhus University: Bachelore of history of art
1998-01 Royl Danish Academy of Art: Bachelore of architecture
2001-07 Berlin-Weißensee School of Art: Meisterschülerstudium (post graduate) Sculpture / Master of arch.
2011 Lectureship, Berlin-Weißensee School of Art

Candy Lenk

1974 born in Sonneberg, Germany
1995-00 Coburg University of applied Sciences: Bachelore of architecture
2002-05 Berlin-Weißensee School of Art: Diploma architecture
2006/07 Lectureship, Coburg University of applied Sciences
2008-11 Assistant professor, spatial and intermedia design, Dresden University of Technology
2011 Lectureship, Berlin-Weißensee School of Art
2013 Lectureship, Reception, Form and Interaction, Dresden University of Technology

Grants / Awards

2015 Grant Künstlergut Prösitz
2014 Working grant from the Danish Arts Foundation
2014 Atelier grant from the Senat for Cultural Affairs, Berlin
2011 Grant from the Danish Art Council, Waiting Room
2012 Nomination for Space Art Award, Düsseldorf
2010 Grant from the Danish Art Council, Budding
2005 Egon Eiermann Award
2004 Grant from the Ingvar Kamprad Foundation
2000 Thesis Award from the Association of German Architects

Exhibitions | Projects (selection)

2019 Kraut & Rüben, Haus für Kinder München-Perlach
2018 Treppe, DG Galerie München
2017 Wurf IV, Berlin Marzahn
2017 Radiator, Klosterruine Berlin Mitte
2016 Mos, EAL Lillebælt Academy Odense
2016 Klæde, EAL Lillebælt Academy Odense
2016 Wurf III, Silkeborg Motorvejen
2016 Requisiten für ein Puppenheim, Kunstverein Neukölln
2016 Wurf II, Transfer KK 16, Klosterkirche Grimma
2015 Wurf I, Super Bien! Berlin
2015 CityLeaks Urban Art Biennale, Cologne
2015 ArtWeek Aabenraa Biennale for Contemporary Art
2015 EX und HOPP Gallery Aquabit, Berlin
2015 No Name City Galerie M, Berlin
2014 The Space between Architecture and Art Aquabit art gallerie, Berlin
2014 Tausend Meter Berlin unLimited, Center for Art and Urbanistics ZKU, Berlin
2013 Architecture and Art University Hospital Regensburg
2013 The Risk of Ruin Casino Kunstraum t27, Berlin
2012 Projekt Luftschloss Berlin Hellersdorf
2012 About Individuality Winter Art Salon, Berlin
2012 Lange_Weile Forum Factory, Berlin
2011 Stories of a Place Rønnebæksholm, Næstved, Denmark
2011 The Supreme Architect and the Raft of the Medusa, Kunstraum t27 with M. Stræde, Berlin
2011 TAOH- Residency, center for contemporary art Tou Scene, Stavanger
2010 Ostrale 010 international art exhibition, Dresden
2010 Waiting Room XBunker, Sønderborg
2010 Inner Landscapes House of Health Congress Center Dresden (concept / organization)
2010 as deep as you can Swimming Hall Pankow, Berlin
2009 Artweek Aabenraa, Denmark
2009 Point of view VLASAKcontemporary, Berlin
2009 Was uns antreibt Haus der Kunst, München
2009 Artbastard Spaces between elusive beauty and true being, TU Dresden (concept / organization)
2009 Invisible Spaces music and architecture Coburg University (concept / organization)
2009 Körperraum Kunstraum t27, Berlin
2008 Wand mit Bein Ostrale 2. international art exhibition, Dresden
2008 Bruchstücke with Charlotte Boesen, Galerie in der Brotfabrik, Berlin
2008 International art symposium Kleinbreitenbach, Thüringen
2008 Kontakt Kunstraumtoiletten27, Berlin
2008 no admittance except on business tmp.deluxe, Berlin
2007 Architectural Intervention, Berlin

Art in Public Space | Art in Architecture Competitions

2019 1st price Käthe-Beutler-Haus, BIH Campus Berlin-Buch
2018 1st price Integrative Research Institute for the Sciences, Berlin-Adlershof
2017 award House for children, München-Perlach
2017 award Marzahner Promenade, art in public space, Berlin-Marzahn
2016 1st price New building of the United Nations Framework Convention on Climate Change UNFCCC, Bonn
2014 2nd price University Hospital Regensburg
2014 2nd price Waisenheim Baruch-Auerbach, memorial for a jewish orphans home, Berlin
2012 1st price State Guest and Federal Gov. Reception Building at the future airport of Berlin
2012 award Helle Mitte, art in public space, Berlin-Hellersdorf
2011 hon. mention HTW, University of Applied Sciences, Berlin

Guest lectures

2015 Hochschule Potsdam University of Applied Sciences, Department of Design
2014 Galerie Aquabit, Berlin
2014 Center for Art and Urbanistics, Berlin
2013 University of Kassel, Institute of Urban Development, Urban Practice
2013 Dresden University of Technology, TUD Department of Computer Science, Media Design
2013 Hochschule Konstanz University of Applied Sciences, HTWGK Department of Architecture and Design
2011 Kunsthochschule Berlin-Weißensee, KHB Artistic Design
2011 Rogaland School of Art, Norway
2010 Dresden University of Technology, TUD Institut für Grundlagen der Gestaltung und Darstellung
2009 Brandenburg University of Technology, BTU Faculty of Architecture
2007 Hochschule Coburg University of Applied Sciences and Design, FHC Department Architecture and Design

Text

"Raum und Skulptur im Werk Anna Borgmans" von Dr. Peter Funken

In der Geschichte der europäischen Kultur gab es immer wieder den Dialog und die Verbindung von Bildender Kunst und Architektur – sei es, dass die Kunst als Gemälde oder Skulptur eine Dekoration oder ein bildnerisches Programm im architektonischen Bau darstellte, sei es, dass die reine Form der Architektur selber zur plastischen Kunst wurde, so etwa im konstruktiven Denken und Planen am Bauhaus und seit den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Kunst, zumal plastische Kunst, steht seitdem in einem besonderen Verhältnis und Kontakt zur Architektur: sie vermag ihn zu kommentieren und zu interpretieren, sie verändert Architektur im Sinne der künstlerischen Inszenierung, sie steigert den Raum in seiner Wirkung, sie macht Architektur erst erfahrbar. Kunst findet also stets in einer Relation zum Innen- oder Außenraum statt, sie lässt sich je nach Möglichkeit und Intention des Künstlers auf ihn ein, sie reagiert auf ihn und erlangt im und mit dem Raum ihre Bedeutung und Aussagekraft.

In aller Kürze ist dies der Hintergrund vor dem man die Arbeiten Anna Borgmans wahrnehmen und begreifen sollte, denn die Künstlerin stellt ihre dreidimensionalen Werke immer in eine konkrete Beziehung zur Raumsituation von Orten, Gebäuden, Städten und Landschaften. Dabei geht die Künstlerin in eine Kooperation mit dem jeweiligen Umfeld – ebenso könnte man auch von einem positiv-parasitären Verhältnis zwischen den von Anna Borgman gewählten Orten und Räumen und ihren Skulpturen sprechen. Ihre Arbeiten finden immer zu den Bedingungen des Raumes statt, werden durch ihn inspiriert oder konnotiert, greifen aber auch in ihn ein, beeinflussen und verändern ihn: so etwa, wenn Borgman ein ruiniertes Haus in Berlin Weißensee an drei Stellen des Gebäudes von Innen und Außen mit roten Skulpturformen durchdringt. An keiner Stelle kann man den künstlerischen Eingriff in seiner Ganzheit erleben. Man muss das Haus von Innen begehen und von Außen umschreiten, man muss sich bewegen, damit man die Gesamtheit der installativen Eingriffe übersehen und verstehen kann. Den Betrachtern wird also eine aktive Rolle abverlangt und somit eine Partizipation am Kunstwerk zugesprochen, die sodann eine neue und eigene, bislang unbekannte Perspektive auf Architektur und Kunstwerk ermöglicht. Borgman verändert damit den Raum der Architektur zu einem Kunstraum, der sich mit dem gegebenen Umfeld verbindet. In Farbe und Form setzen sich die von ihr verwendeten Skulptur-Implantate deutlich von dem ruinierten Gehäuse ab und entwickeln eine starke, signalartige Gegenposition. Sie sind Fremdkörper zur schäbigen Architektur, in ihrer vollendeten Geometrie bilden sie einen bedeutungsvollen Kontrast und zeigen eine geradezu ideale Schönheit.

Umbauter Raum und sein Umfeld, so Rudolf Arnheim, sind Bereiche der erweiterten Gegenwart des Menschen. In diesem Sinne interagiert Anna Borgmans Arbeitsweise als künstlerische Kommentierung, die die Umgebung nicht nur theoretisch befragt, sondern ihr ein plastisch konkretes Modell gegenüberstellt: Borgmans Modell oder Arbeitsform beschreibt dabei ihre Vorstellungen vom Menschenmaß und vom Raum des Menschen. Ihre Arbeiten funktionieren wie Eingriffe, die von den Verhältnissen zwischen vorgegebener Architektur und räumlichem Erleben handeln. So zum Beispiel, wenn Borgman in der gleichsam im Raum schwebenden Zwischenetage der Berliner Galerie VLASAKcontemporary eine massiv erscheinende Skulptur an der Decke nach unten hängend installiert. Tatsächlich reagiert die Künstlerin mit ihrer herabhängenden grünen Berglandschaft auf den fast bedrohlichen Baustil der umgebenden Gebäude und konfrontierte den Galerieinnenraum mit einem abstrakt anmutenden Naturbild. Mit dieser Arbeit wirft die Künstlerin Fragen nach dem Verhältnis von Natur und Kultur auf, wie auch nach den Grenzen zwischen beiden Bereichen.

Letzteres ist ebenfalls Thema ihrer Arbeiten im Natur- und Industrieraum: Im Wald bei dem thüringischen Dorf Kleinbreitenbach schuf sie mit „5 Betondeckel kreuzen zwei Wege“ eine Installation, die aus gelbgrün bemalten, kreisförmigen Klärgrubendeckeln besteht. Es sind serielle Industrieprodukte, die so platziert wurden, dass sie den Wanderweg im Wald zweimal schneiden. Thema dieser Arbeit ist die Reflektion über den Naturraum und die Bewegung, die in diesem Raum stattfindet. Die Arbeit funktioniert ähnlich wie die Inszenierung eines déjà vu, denn die Wanderer begegnen beim Gehen nicht nur den identischen Objekten, sondern bei deren Wahrnehmung immer wieder sich selbst.
Bei einem Bildhauersymposium in Aabenraa an der Ostsee in Süddänemark errichtete Anna Borgman am Strand eine 4 Meter hohe Skulptur aus Fundholz und Brettern, die eine im Stadtzentrum stehende Häusersilhouette zeigt.
Diese türkisgrüne Arbeit steht in deutlichem Kontrast zu den Farben des gelbbraunen Strandes und verweist doch auf das Wasser und die See. Aufgrund ihrer Konstruktion, die nur aus tragenden Elementen besteht, entwickelt sich zwischen dieser Skulptur und den Industriekränen auf der gegenüberliegenden Seite der Förde eine Art von Kontakt, Dialog und Verhältnis, das auf konstruktiver Ähnlichkeit beruht, aber auch auf klar herausgearbeiteten Unterschieden.

Gerade weil sich Anna Borgman mit ihren Installationen so deutlich auf vorhandene Räume und Architekturen bezieht, entstehen mit ihren Arbeiten ästhetische Vorstellungen und Begriffe, die den Mensch zum Mittelpunkt machen, die ihn geistig einbeziehen, ihm einen Ort geben und ihm eine neue Wahrnehmung seiner Umgebung ermöglichen. Anna Borgmans Kunst ist konkret und sinnlich und dabei von einer Moral inspiriert, die als Voraussetzung für eine Kunst der Zukunft zu betrachten und zu verlangen ist.