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rbb|24 23.05.2016: Warum Schöneweides Künstler Zukunftsangst haben

Kunst- und Kulturschaffende fordern Masterplan

Oberschöneweide sollte Berlins neuer Hotspot für Kunst und Kultur werden. Doch nun sehen die dortigen Künstler ihre Atelier- und Werkstattstandorte akut bedroht. Schon jetzt seien etwa 100 Künstler weniger vor Ort als noch vor einem Jahr, warnen sie in einem Offenen Brief an den Bezirksbürgermeister.

Kunst- und Kulturschaffende aus Oberschöneweide haben dem Bürgermeister des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick, Oliver Igel (SPD), einen Offenen Brief mit rund 170 Unterschriften übergeben, weil sie den Kunst- und Kulturstandort in Gefahr sehen.

In dem Brief weisen die Künstler am Montag darauf hin, dass die Hälfte der noch in Schöneweide ansässigen Atelierstandorte durch Mietsteigerungen oder anderweitige Nutzungspläne der Eigentümer von Verdrängung bedroht seien. "Waren vor einem Jahr noch etwa 400 Kunst- und Kulturschaffende mit Atelier, Studio oder Werkstatt in Schöneweide ansässig, sind es zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch etwa schätzungsweise 300", so die Briefschreiber.

Es geht auch um das Funkhaus Nalepastraße

Alternativen und Ausweichflächen für Künstler seien nicht in Sicht, es erhöhe sich jedoch durch den Zuzug weiterer Kunst- und Kulturschaffender aus dem innerstädtischen Bereich der Druck. In dem Offenen Brief werden die politischen Akteure des Stadtteils aufgefordert, einen Masterplan zusammen mit den Kunst- und Kulturschaffenden zu entwickeln. Dieser Plan soll Flächenfestschreibungen für Ateliers, die Sicherung bestehender Flächen sowie Unterstützung bei Verhandlungen um bezahlbare Mieten vorsehen.

Im Wesentlichen geht es um das Funkhaus Nalepastraße, die Spreehöfe (künftige Leuchtenfabrik), die XTRO Ateliers auf dem Gelände der Rathenauhallen und einige kleinere Ateliergemeinschaften und Einzelateliers.

Zuvor hatte es große Hoffnungen gegeben, dass Oberschöneweide zu einem neuen "Hotspot" für Kunst und Kultur werden könnte. Neben Underground-Künstlern sollten dort auch große Namen wie Ai Wei Wei oder Bryan Adams wirken können. Wahr geworden ist diese Erwartung trotz mancher vielversprechender Entwicklungen bisher nicht.

Der Bezirksbürgermeister will moderieren

Bezirksbürgermeister Igel wollte die Angabe aus dem Offenen Brief, wonach im Stadtteil schon jetzt etwa 100 Künstler weniger präsent sind als noch vor einem Jahr, nicht bestätigen. Igel sieht vor allem die privaten Eigentümer am Zug, wie er rbb|24 sagte: "Mit ihnen habe ich schon gesprochen - sie sind verärgert über den Offenen Brief, weil sie ihrer Meinung nach viel mehr für die Künstler getan haben als daraus hervorgeht." So hätten die Privateigentümer eigenen Angaben zufolge sogar Zugeständnisse gemacht, zu denen sie gesetzlich nicht verpflichtet gewesen wären.

Igel betonte, dass sich der Bezirk und der Berliner Senat jedoch auch für Künstler mit wenig Geld engagierten - insbesondere dort, wo es sich um landeseigene Grundstücke oder Immobilien handele. "Ziel ist es nicht – und das von niemandem – die kleinen Künstler zu verdrängen", so Igel.

Nach Meinung des Bezirksbürgermeisters ergab das Treffen mit den Kunst- und Kulturschaffenden im Fazit vor allen Dingen, dass es "mehr um individuelle Probleme mit Vermietern" gehe. Er habe den Künstlern angeboten, bei Gesprächen mit den privaten Eigentümern zu moderieren.

Der Künstler Lutz Längert, der die Briefübergabe mit initiiert hat, sagt auf Nachfrage von rbb|24, ob die Stadt in einen gemeinsamen Masterplan eingewilligt habe: "Nein, so weit sind wir noch nicht. Wir hoffen aber trotzdem, Einfluss nehmen zu können."

Umstrittene Interessen der Investoren

Das "Funkhaus" hatte im Frühjahr 2015 den Besitzer gewechselt. Der neue Eigentümer wollte den Gebäudekomplex des früheren DDR-Rundfunks insbesondere für die Musikbranche weiter entwickeln. Unter den verblieben bildenden Künstlern regt sich dem Vernehmen nach aktuell Unmut.

Das Areal um die Rathenau-Hallen wiederum - das ehemalige AEG-Industriegelände - gehört einem Investor aus Irland, der dort unter anderem Wohnungen errichten will. Der noch nicht verabschiedete Bebauungsplan des Bezirks lässt dies neben Gewerbeansiedlungen, Handel, einem Hotel und eben Künstlerateliers auch zu. Doch es regt sich scharfer Widerstand aus der Bevölkerung von Seiten der Künstler. Während viele befürchten, dass am Flussufer Luxusquartiere entstehen und die Eingesessenen dadurch verdrängt werden könnten, warnte Regionalmanager Thomas Niemeyer schon vor einem Jahr: "Wohnungsbau in Schöneweide bringt Verlangweiligung". 

  

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