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Streit um Filetgrundstück in Mitte - Initiative Haus der Statistik

Beitrag von Helge Oelert, rbb Fernsehen - Klartext - vom 18.05.2016

Link: http://www.rbb-online.de/klartext/archiv/20160518_2215/streit-filetgrundstueck-mitte.html

Was wird aus dem Haus der Statistik? - Streit um Filetgrundstück in Mitte

Flächen sind in Berlin Mangelware. Trotzdem leistet sich die Stadt, dass in attraktiver Innenstadtlage das sogenannte Haus der Statistik auf 55.000 Quadratmetern seit acht Jahren einfach so vor sich hin rottet. Dabei gäbe es durchaus Konzepte, wie mit der Immobilie ein Impuls gesetzt werden könnte, dessen Lebendigkeit in die Gegend rund um den Alexanderplatz ausstrahlen könnte. Jedoch: die Politik blockiert sich selbst.

Anmoderation: Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast! Gut möglich, dass viele Ostberliner die Arbeit im einstigen "Haus der Statistik" auf diese Weise verspottet haben. Vielleicht kennen Sie das Gebäude: Ein leerstehendes Monument schauriger DDR-Architektur direkt am Berliner Alexanderplatz. Seit langem gibt's einen Streit darum, ob und wie man das riesige Gebäude sinnvoll nutzen könnte. Jetzt kommt eine Initiative mit einer Idee daher, die man sich für diesen deprimierenden Ort eigentlich am wenigsten vorstellen kann.

Wer ist dieser Mann? Ein sozialromantischer Träumer, dessen Flausen den Steuerzahler viel Geld kosten? Oder der Retter der Berliner Mitte aus den Fängen des Großkapitals?

O-Ton Florian Schmidt, "Initiative Haus der Statistik"
"Es ist eben so, dass die Innenstadt größtenteils im Besitz von privaten Eigentümern ist, die natürlich immer nach der höchsten Rendite streben. Deshalb gehen die Freiräume für solche Projekte verloren, die Gentrifizierung schreitet voran. Und hier haben wir die einmalige Chance, eine Art kreative, gentrifizierungsfeste Insel zu schaffen."

Und das ist das Gebäude, das zum Fels in der Kapitalismusbrandung werden soll. Das Haus der Statistik. 55.000 Quadratmeter monumentale Trostlosigkeit. Sie gehören dem Bund.
Seit acht Jahren rottet dieser sozialistische Moloch vor sich hin – ein Filetstück unmittelbar am Alexanderplatz.

Florian Schmidt will endlich anpacken. Seine "Initiative Haus der Statistik" hat eine Vision, um diesem toten Betonmonster Leben einzuhauchen - und hier all den Menschen einen Platz zu schaffen, die sonst aus den Innenstädten dieser Welt heraus gedrängt werden.

O-Ton Florian Schmidt, "Initiative Haus der Statistik"
"Wir denken, dass dort die Kultur unterkommen kann, Ateliers und Probenräume, Kulturinstitutionen. In diesen Gebäuden könnte vor allem Wohnen entstehen, Wohngemeinschaften, integriertes Wohnen für Geflüchtete und andere Gruppen. Dieses Gebäude sehen wir vor als Bildungszentrum für verschiedene Bildungsinitiativen, da haben wir auch verschiedene Anfragen schon."

Stadtplaner halten das Konzept durchaus für realistisch. Auch wenn man sich heute schwer vorstellen kann, wie aus dem monolithischen Klotz ein lebensfroher Ort werden soll.

O-Ton Prof. Philipp Misselwitz, TU Berlin
"Es stimmt, dass das Gebäude eher durch eine gewisse Hässlichkeit auffällt, aber die vielfältigen Experimente in Berlin zeigen eigentlich, dass gerade solche Orte auch besonders attraktiv sind für Nutzer, die diesen Ort neu interpretiere: Die Fassade neu interpretieren, gerade in dieser toten Erdgeschosszone attraktive urbane Angebote schaffen..."

Und das Haus galt ja mal als schön – Ende der 60er, als der Alexanderplatz von den Toparchitekten der DDR sozialistisch neugestaltet wurde. Unten zog die Zentralverwaltung der Statistik ein, die oberen Geschosse nutzte die Staatssicherheit. Folgerichtig kam nach der Wende die Stasi-Unterlagenbehörde. Bis 2008. Seither steht der Riesenkomplex leer. Niemand schien Verwendung zu haben für diese Altlast. Noch 2014 war man sicher:

O-Ton Abendschau vom 06.03.2014
"Das alte Gebäude wird komplett abgerissen, die Wohnungen entstehen nach hinten raus zur ruhigen Berolinastraße, die Büros vorn an der Otto-Braun-Straße."

Ein Wettbewerb wurde ausgelobt, ein Entwurf mit Hochhäusern prämiert, ein Bebauungsplan beschlossen... Es herrschte Goldgräberstimmung.

O-Ton Irina Dähne, Liegenschaftsfonds am 06.03.2014
"Es ist eine geniale Lage. Wir gehen davon aus, dass uns das Grundstück aus den Händen gerissen wird."

Doch es kam anders. Technische Probleme verzögerten den Abriss. Und parallel setzte ein politischer Umdenkprozess ein:

O-Ton Christian Hanke (SPD), Bezirksbürgermeister Mitte
"Weil wir auch in Berlin im Rahmen der neuen Liegenschaftspolitik städtische oder staatliche Flächen und Immobilien nicht mehr auf den freien Markt werfen wollen. Das mussten wir in Berlin in den letzten 15 Jahren machen, nicht zur Vorteil der Stadt."

Wozu es führen kann, wenn Kultur zugunsten maximaler kommerzieller Ausnutzung verdrängt wird, zeigt das Beispiel Tacheles. Einst ein kreativer Ort, der nach der Wende das ganze Viertel rundherum prägte. Nun beginnen dort gerade die Bauarbeiten für Büros und Eigentumswohnungen. Und die ganze Gegend veränderte ihren Charakter zur austauschbaren Touri-Falle.

Auch in der Umgebung vom Haus der Statistik wäre ein belebender Impuls dringend nötig zwischen den gesichtslosen Hausfassaden. Die Bewohner der vielen Plattenbauten hinter dem Alex erleben ihr Quartier als eine reine Schlafstadt ohne Kiezgefühl.

O-Ton Erik Göngrich, Anwohner
"Kann ich ganz konkret benennen, dass mir eine Möglichkeit fehlt, runter zu gehen und mich in ein nettes Cafe mit gutem Kuchen zu setzen, anderen Kindern auch oder anderen Kindern. Oder einen kleinen Obst&Gemüse-Laden hier im Block zu haben. Einen schönen Zeitschriftenladen, vielleicht einen Buchladen."

Rund um den Alexanderplatz selbst dominieren Konsum und Kommerz. Nach Ladenschluss wird die Gegend immer wieder Schauplatz von Gewalt, auch das hat mit dieser Verödung zu tun, meinen Sozialarbeiter.

O-Ton Tino Kretschmann, Platzmanagement Alexanderplatz für junge Leute
"Das soziale Zusammenleben ist halt mehr, als in einen Laden zu gehen und Geld auszugeben. Und das braucht es auch in der Innenstadt, dass es auch andere Dinge gibt. Und das Alexa oder andere Läden übernehmen doch keine pädagogische Arbeit und Freizeitgestaltung, die so ist, dass man selber aktiv wird."

All das will die Initiative bieten. Was geklärt werden muss, sind die Finanzen. 47 Millionen fordert der Bund für das Haus, rund 100 Millionen kostet die Sanierung. Und der Finanzsenator will bisher lieber eine Verwaltung einziehen lassen. Trotzdem prüft er jetzt das neue Konzept.

O-Ton Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), Finanzsenator Berlin
"Die Herrichtung eines Ex-Verwaltungsbaus für Verwaltung ist leichter als die Herrichtung eines Ex-Verwaltungsbaus für Wohnungen. Das heißt also, die Herrichtung muss finanziell dargestellt werden. Und es muss dargestellt werden, dass sich dann, wenn man diese große Investitionshürde überschritten hat, dass sich auch die Tragfähigkeit im Bewirtschaftungskonzept darstellt."

Am Ende müssen also auch hier die laufenden Kosten durch Einnahmen gedeckt werden. Allerdings sollte dieses Projekt nicht an Finanzierungsdetails scheitern. Denn es könnte ein Meilenstein werden in der Neuausrichtung der Berliner Stadtplanung.

Beitrag von Helge OelertRund um den Alexanderplatz selbst dominieren Konsum und Kommerz. Nach Ladenschluss wird die Gegend immer wieder Schauplatz von Gewalt, auch das hat mit dieser Verödung zu tun, meinen Sozialarbeiter.

O-Ton Tino Kretschmann, Platzmanagement Alexanderplatz für junge Leute:
Das soziale Zusammenleben ist halt mehr als in einen Laden zu gehen und Geld auszugeben. Und das braucht es auch in der Innenstadt, dass es auch andere Dinge gibt. Und das Alexa oder andere Läden übernehmen doch keine pädagogische Arbeit und Freizeitgestaltung, die so ist, dass man selber aktiv wird.

All das will die Initiative bieten. Was geklärt werden muss sind die Finanzen. 47 Millionen fordert der Bund für das Haus, rund 100 Millionen kostet die Sanierung. Und der Finanzsenator will bisher lieber eine Verwaltung einziehen lassen. Trotzdem prüft er jetzt das neue Konzept.

O-Ton Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), Finanzsenator Berlin:
Die Herrichtung eines Ex-Verwaltungsbaus für Verwaltung ist leichter als die Herrichtung eines Ex-Verwaltungsbaus für Wohnungen.Das heißt also, die Herrichtung muss finanziell dargestellt werden. Und es muss dargestellt werden, dass sich dann, wenn man diese große Investitionshürde überschritten hat, dass sich auch die Tragfähigkeit im Bewirtschaftungskonzept darstellt.

Am Ende müssen also auch hier die laufenden Kosten durch Einnahmen gedeckt werden. Allerdings sollte dieses Projekt nicht an Finanzierungsdetails scheitern. Denn es könnte ein Meilenstein werden in der Neuausrichtung der Berliner Stadtplanung.

Beitrag von Helge Oelert

  

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