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Kein Platz für Künstler - Berliner Kulturbaustellen 2015

rbb-online.de : Jahresvorschau 2015, Von Anna Pataczek

Mit kulturpolitischen Ambitionen ist Berlins neuer Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bisher noch nicht aufgefallen. Dabei hat er von Klaus Wowereit auch den Posten des Kultursenators übernommen. Als ehemaliger Stadtentwicklungssenator könnte Müller für ein Problem der Kulturschaffenden jedoch genau der Richtige sein: den Raumnotstand. Von Anna Pataczek

Berlin verliert allein in diesem Jahr 350 Künstlerstudios. Komplette Atelierhäuser werden umgewandelt in Shoppingcenter oder exklusive Wohnungen. "Durch den dynamischen Immobilienmarkt, der seit ungefähr vier Jahren durch Mietpreissteigerungen enorm anzieht, werden freie Ateliers oder Probenräume oder was auch immer rausgespült aus der Innenstadt", sagt Florian Schmidt, Berliner Atelierbeauftragter vom Berufsverband Bildender Künstler.

Forderung nach bezahlbarem Kulturraum

Gleichzeitig drängt es immer weiter Künstler nach Berlin. Doch wie soll man in dieser so begehrten Stadt Orte für Ateliers, Probebühnen oder Projekträume sichern oder schaffen? Florian Schmidt hat konkrete Vorschläge für die Politik. Wenn zum Beispiel landeseigene Liegenschaften verkauft oder verpachtet werden, könnte man die Vorgabe machen, fünf Prozent bezahlbaren Kulturraum zu garantieren, meint Schmidt. "Das kann man einfach ins Konzept schreiben. Und dann müssten die Entwickler schauen, wie sie das hinkriegen. Und die kriegen das hin", ist Schmidt überzeugt.

Künstler brauchen bezahlbaren Atelierraum

Auch neu zu bauen, könnte eine Lösung sein, etwa auf Grundstücken, die für die klassische Immobilienwirtschaft nicht sonderlich attraktiv sind, weil direkt nebenan die S-Bahn vorbeifährt. "Wir haben eine Studie, die besagt, dass man bezahlbaren Atelierraum mit modularer Fertighaus-Architektur neu bauen kann. Da braucht man aber Pilotprojekte, die man auch nächstes Jahr schon umsetzen könnte", so Schmidt. "Das hätte Potenzial und wäre auch etwas Innovatives, mit dem Berlin glänzen könnte."

Genauso, wie Berlin überhaupt mit seinen vielen Künstlern weit über die Grenzen der Stadt glänzt. Das ist ein echter Wirtschaftsfaktor, was auch Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) erkannt hat. Er will gegen die Raumnot kämpfen. "In Paris versucht man mit viel Aufwand und hohen Kosten, wieder Künstler am Montmartre rückanzusiedeln. Das hat so etwas von Wölfen, die wieder in unseren Wäldern ausgesiedelt werden sollen. Ich glaube, das sollten wir uns ersparen", sagt Renner. "Wir sollten zusehen, dass wir das Biotop an Kultur, das wir haben, schützen und uns schützend davor stellen."

Berlins neue Sachlichkeit

Trotzdem bremst Renner zu hohe Erwartungen: "In dem Maße, wie Berlin wächst, werden wir nie in der Lage sein, einhundert Prozent auffangen zu können, was an Kulturtreibenden und Kulturbetrieben aus innerstädtischen Bereichen verdrängt wird. Aber wenn es uns gelingt, bei einigen entscheidenden Liegenschaften wirklich durchzusetzen, dass entweder kulturelle Nutzung erhalten bleibt oder eben gar eine rein kommt, wo vorher keine war, dann ist das auf jeden Fall ein Erfolg", konstatiert Renner. Mit Michael Müller als neuem Chef ist er zuversichtlich, ein Umdenken in der Liegenschaftspolitik zugunsten der Kultur zu erreichen.

Auch Florian Schmidt vom Künstlerverband blickt erst einmal positiv in die Zukunft, weil Müller aus dem Bereich Stadtentwicklung kommt. "Gleichzeitig ist Müller ein sachlicher Typ. Er hat damit eine Kompetenz, die sein Vorgänger vielleicht nicht hatte", so Florian Schmidt. "Ich hoffe insofern, dass er pragmatisch in eine Breitenwirkung hineingeht und die Situation der Künstler insgesamt verbessern will und nicht nur einzelne Leuchtturmprojekte."

Das rbb-Inforadio beschäftigt sich ab 5. Januar 2015 eine Woche lang täglich mit den Berliner Kulturbaustellen im Jahr 2015. 

Beitrag von Anna Pataczek

Stand vom 25.12.2014

  

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