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Berliner Abendblatt: Gegen Atelierschließungen - 14.10.2014

Engagement: Erstes berlinweites Vernetzungstreffen von Künstlern

Mieterhöhung, Galgenfrist und eine ungewisse Zukunft – das sind die Plagegeister vieler Künstler in Berlin. Eins nach dem anderen werden große Atelierhäuser geschlossen um sie in Wohnungen oder Büros umzubauen. Um sich dagegen zu wehren, initiierte der BBK (Berufsverband Bildender Künstler) ein Vernetzungstreffen für Betroffene und solche, die den Druck des Auszugs auch schon zu spüren bekommen. Insgesamt kamen etwa 60 Kunstschaffende aus acht Atelierhäusern in die Mengerzeile.

Druck erzeugen

„Vier Atelierhäusern wurde bereits gekündigt, zwei sind schon auf der Suche nach einem neuen Standort und die anderen haben Angst, es würde sie als Nächstes treffen“, sagt Florian Schmidt, Atelierbeauftragter des BBK und Organisator des Treffens. Ihm ist bewusst, dass die Problemlagen unterschiedlich sind. Dennoch glaubt er an die Kraft der Gemeinschaft und hält die Künstler dazu an, selbst aktiv zu werden. „Kulturpolitik hängt auch von der Stadtentwicklungspolitik ab, darum müssen wir da Druck erzeugen“, so Schmidt. Zwar gäbe es Akteure, wie den Kulturstaatssekretär Tim Renner, der sich für die Ateliererhaltung einsetzt, trotzdem wären die Künstler mit ihren Forderungen für den Senat nicht sichtbar genug.

Teure Sanierungen

Dabei sind diese zahlreich. So berichtet Malte Hagen Olbertz vom Atelierhaus Prenzlauer Promenade, dass ihr Haus zwar in öffentlicher Hand wäre und vom Liegenschaftsfonds des Landes Berlin verwaltet wird, Pläne für ein Studentenwohnheim und eine Kita lägen schon vor. „Wir sind seit acht Jahren Zwischennutzer in der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR, spüren aber, dass sich jederzeit etwas ändern könnte“, fürchtet Olbertz. Nach einer teuren Sanierung könnten sich die 90 Künstler in der Prenzlauer Promenade die Miete nicht mehr leisten, auch wenn ihnen nicht gekündigt würde. Die 40 Künstler vom Atelierhaus Mengerzeile in Neukölln sind noch schlechter dran: bis 2015 läuft ihr Mietvertrag nur noch. Ihr Vorschlag, das Haus zu kaufen, wurde vom Eigentümer ignoriert.

Bedrohte Existenz

Diese Erfahrung machten auch die Künstler aus der Palisadenstraße, auf deren Kaufinteresse überhaupt nicht reagiert wurde. „Es kommt mir so vor, als würde man uns als Verhandlungspartner überhaupt nicht ernst nehmen“, beklagt Olbertz und trifft damit auf breite Zustimmung. Nicht nur das. Viele der Künstler sehen ihre Existenz bedroht. Ihr gesamter Alltag ist rund um die Ateliers organisiert. „Wir müssen dafür Sorge tragen, dass die Infrastruktur erhalten bleibt“, sagt Bernhard Kotowski, Geschäftsführer des BBK. „Die Kunstszene gehört zu Berlin. Ihr Verschwinden wäre ein Qualitätsverlust für die Stadt“, so Kotowski.

Neue Verbündete

Der BBK bietet Unterstützung: 2.000 neue Ateliers in den kommenden Jahren will der Verband organisieren. Außerdem sollen Expertenrunden entstehen, wo Künstler sich über ihre Rechte informieren. „Wir müssen uns Verbündete suchen und vor allem auf Bezirksebene agieren“, sagt Florian Schmidt und möchte es den Eigentümern der bedrohten Häuser „so schwer wie möglich“ machen. Damit stößt er auf Zustimmung. Und dann fällt es, das Wort, das vielen auf der Zunge lag: Hausbesetzung. Es ist klar, den Künstlern ist es ernst und sie wollen kämpfen.

Viktoria Graf / Posted on Dienstag, 14. Oktober 2014 by Redaktion-Online in Kultur, Mitte

  

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