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Position des bbk berlin zu Förderkriterien in der Kulturellen Jugendbildung

Zum Programm Kulturelle Jugendbildung haben wir schon einige Vorschläge zu Gestaltung und Auswahlverfahren im Dezember vorgelegt und in einem Positionspapier zusammen gefasst. Auf dieser Grundlage wurde von unserer Seite mit Vertretern der anderen künstlerischen Sparten und der Politik ein intensiver Austausch über die Förderkriterien und Rahmenkonzepte geführt. Kernpunkte unserer Vorschläge sind - neben der Erarbeitung von Projektauswahlkriterien - die Gründung von Fachbeiräten der fünf Kunstsparten (Musik, Darstellende Kunst, Tanz, Wort und Bildende Kunst).

Projektförderung Kulturelle Jugendbildung

Künstlerische Projekte mit Jugendlichen und Kindern dienen der Persönlichkeitsentwicklung. Interaktive künstlerische Strategien fördern die Ausbildung der menschlichen Sinne und des Wahrnehmungsvermögens als Instrument der Welterkennung. Sie fördern ganzheitliche Ausdrucksfähigkeiten, die soziale und fachliche Kommunikation in der Gruppe, sie schaffen neue kreative Potentiale, fördern das Selbstbewußtsein durch erlebte persönliche Erfolge und Zuwendung. Neue Kommunikationsebenen- und Formen ermöglichen neue Erkenntnisse.
Glaubwürdigkeit und Erfolg der Projekte hängen entscheidend vom künstlerischen Anspruch an die Künstler und Jugendlichen und damit von der künstlerischen Qualität des Projektes ab.
Geeignet sind weniger ergebnis-, sondern besonders prozessorientierte künstlerische Strategien.

Förderungswürdig sind:

Projekte mit professionellen Künstlern, in denen der Prozess künstlerischen Arbeitens selbst, die künstlerische Praxis Anstoß kreativer Weltaneignung ist. Ziel ist eine von professionellen Künstlerinnen und Künstlern moderierte Aneignung oder Nutzung oder Entdeckung von Strategien einer kritischen Welterfahrung.

Unter Anleitung professioneller Künstlerinnen und Künstler sollen Schüler und Kinder mit Mitteln prozessorientierter Kunst motiviert werden, ihren „Alltag", eigene Routinen, Verhaltens- und Denkmuster, ihre Schulroutinen zu beobachten, infrage zu stellen, den fremden Blick zu lernen, sich und andere neu zu erfahren, neue Formen der Kommunikation zu proben.

Ziel ist die Entstehung eigener kreativer Praxis.

 

Offene Wettbewerbskultur und transparenten Entscheidungsverfahren

Notwendige Verfahrensschritte sind:

  • Bildung eines Fachbeirats, der vor allem aus qualifizierten, in Projektarbeit mit Jugendlichen erfahrenen Künstlerinnen und Künstlern besteht.
  • Öffentliche Ausschreibung von Projekten
  • Entscheidung nicht ohne Antrag, der von Künstlerinnen / Künstlern und Schule / Jugendeinrichtung gestellt werden muss.
  • Entscheidung durch den Fachbeirat
  • Öffentliche Kommunikation der Entscheidungen
  • Veröffentlichung der Dokumentationen und Evaluationsberichte
 

Rahmenbedingungen:

  • Künstlerinnen und Künstler sind Lehrerinnen und Lehrern gleichgestellt und arbeiten auf gleicher Augenhöhe miteinander.

Künstlerinnen und Künstler werden ihrer Qualifikation entsprechend honoriert. Grundlage ist ein Stundensatz von zumindest 36,00 €.
Dabei sind Konzeptentwicklung, Vorbereitung fachlicher Austausch, Dokumentation und Nachbereitung Teil ihrer bezahlten Arbeitszeit.

  • Zuwendungsempfänger zur Projektförderung ist in der Regel die Künstlerin / der Künstler.
  • Die Schule oder Jugendeinrichtung muss für Projekte zusätzlichen oder verfügbaren Raum anbieten.

Für künstlerische Projekte ist der schulische Arbeitstakt von 45 Minuten zu flexibilisieren. Besonders geeignet sind auch Projektwochen.

  • Für jedes Projekt muss mindestens ein Kontaktlehrer zur Verfügung stehen; das Instrument von Ermäßigungsstunden muss genutzt werden.


Zur Begleitung und laufenden Beratung der Projekte wird eine Expertengruppe gebildet, die
Aus erfahrenen Künstlerinnen/-en und Pädagoginnen /-en besteht.

Die projektbeteiligten Künstlerinnen und Künstler tauschen sich in regelmäßigen Besprechungsrunden aus.

Es wird eine Datenbank Kunst angelegt, in die nach Beiratsvotum qualifizierte Künstlerinnen / Künstler und ihre Projektideen aufgenommen werden. Sie ist Basis der Projektvermittlung an Partner aus Schulen und Jugendeinrichtungen.

 

Alle künstlerischen Ausdrucksformen einbeziehen

Projektauswahl und Projektbewertung setzen erheblichen Sachverstand voraus. Das Programm soll zugleich die Vielfalt der künstlerischen Ausdrucksformen und -strategien nutzen. Deshalb wird vorgeschlagen, die für das Programm verfügbaren Mittel jeweils zu einem Sechstel für Projekte der Darstellenden Kunst, der Musik, der Bildenden Kunst, der Literatur und des Tanzes zu nutzen.
Ein weiteres Sechstel wird für kunstformen-überschreitende Projekte vorgesehen.
Damit korrespondieren entsprechende Fachbeiräte zur Projektauswahl und -bewertung.
Allein die Bereiche der Bildenden Kunst und ihre Projektformen sind vielfältig. Eine seriöse Auswahlentscheidung ist nur zu gewährleisten, wenn sich diese Vielfalt in einer sachkundigen Fachjury abbildet. Aus fachlicher Sicht ist ein einziges Auswahlgremium für das Gesamtprogramm fachlich und künstlerisch überfordert.

Für spartenübergreifende Projekte werden aus den Fachbeiräten Arbeitsgruppen gebildet, die die Projektauswahl vornehmen.

Dass Projektförderungen auf Juryentscheidungen beruhen müssen, ist selbstverständlich. Projekte, die ohne Juryentscheidung durch die Kulturprojekte GmbH bereits finanziert werden, können sich nach Beendigung dieser Spontanförderung selbstverständlich erneut bewerben, haben sich aber einem seriösen Auswahlverfahren zu stellen.


Projektanforderungen

Projekte sollen:

  • die spezifischen Interessen von Kindern und Jugendlichen aufgreifen.
  • Auf die alltägliche Erfahrungswelt der Kinder und Jugendlichen Bezug nehmen (Lebensweltbezogenheit)
  • Medienerfahrungen von Kinder und Jugendliche einbeziehen, dies bedeutet u. U. auch die Einbeziehung von technischen und speziell digitalen Medien
  • Räume für selbständiges Handeln und Experimentieren schaffen
  • Erlebnisse und Erfahrungen und darüber hinaus Bildungsprozesse anregen, dies betrifft u.a.
  • Ausbildung kreativer, ästhetischer, sprachlicher und motorischer Fähigkeiten
  • Interkulturelles Lernen
  • Soziales Lernen
  • Fachübergreifendes Lernen
  • Den Fokus nicht auf die Produktion von Ergebnissen legen, sondern auf die stattfindenden Prozesse innerhalb der Projekte. Dies bedeutet auch, dass eine Flexibilität gegeben sein soll, von ursprünglichen geplanten Vorhaben abzuweichen.
  • Geschlechtsspezifische Aspekte einbeziehen, d.h. auch eine Reflexion von Geschlechterrollen ermöglichen
  • Die Gegebenheiten der jeweiligen Schule berücksichtigen
  • Originalität zeigen
  • Die verschiedenen Rollen von Künstler/innen und Lehrer/innen innerhalb der Projektdurchführung berücksichtigen und reflektieren.

Zur Aufgabe der Künstler/innen gehört die Dokumentation der Projekte. Projekte müssen dauerhaft und auf die Dauer mindestens eines Jahres angelegt sein.

Anforderungen an projektdurchführende oder beteiligte Künstlerinnen und Künstler

  • Profil und Qualität der künstlerischen Arbeit
  • Lust zur Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Hohe soziale Kompetenz, d. h. Fähigkeit und Bereitschaft zur Kommunikation mit allen Beteiligten Schüler/innen, Künstler/innen, Lehrer/innen, Eltern, Schulangehörigen
  • Fähigkeit zum Perspektivenwechsel in Bezug auf Schüler/innen, Lehrer/innen und andere Berufsgruppen
  • Interesse an den künstlerischen Ansätzen der anderen beteiligten Künstler/innen und Bereitschaft, diese gegebenen falls mit einzubeziehen
  • Methodenvielfalt, Fähigkeit zum Umgang mit verschiedenen Materialien und Medien
  • Organisatorische Fähigkeiten, Selbstorganisation innerhalb des eigenen Projektes
  • Fähigkeit zur öffentlichen Darstellung des Projektes

 

Berlin, im Januar 2008

  

Kulturwerk des bbk berlin GmbH

Köthener Straße 44
10963 Berlin

Bernhard Kotowski (Geschäftsführung)
Tel: 030 230899-29

Egon Schröder (Geschäftsführung)
Tel: 030 230899-44

Email: info@bbk-kulturwerk.de

Montag bis Donnerstag 11:00 - 15:00 Uhr

 

  Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Abteilung Kultur