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Kunst im Untergrund: Mitte in der Pampa

A Migrant’s Journey, re. Place Internationale

Mitte in der Pampa

Kunst im Untergrund, U55 Hauptbahnhof < > U5 Cottbusser Platz
Juni 2016 - Oktober 2017

Sonntag, 18. September 2016 

16 Uhr, Bahnsteig U5 Cottbusser Platz 
Eröffnung, »A Migrant’s Journey (nach: Die Winterreise)« von Elizabeth Wood (Vancouver) 

Der offene, internationale Wettbewerb Kunst im Untergrund der nGbK geht unter dem Titel »Mitte in der Pampa« in die nächste Runde. Ab September 2016 bis Ende 2017 werden acht ortsbezogene künstlerische Arbeiten im Bereich der U5 und U55 von Katrin Glanz, Claude Gomis & Saskia Köbschall, Laura Horelli, Anna Kowalska, Diana Lucas-Drogan, Ellen Nonnenmacher&Eva Randelzhofer, Various & Gould und Elizabeth Wood realisiert. Sie thematisieren die ästhetischen, stadträumlichen und gesellschaftspolitischen Verhältnisse zwischen Zentrum und Peripherie in Berlin: Wie werden in der ›Mitte‹ Entscheidungen gefällt, die sich in der ›Pampa‹ auswirken und die die Potentiale des Eigensinns der ›Pampa‹ darstellen. 

Hauptaustragungsort ist – wie bereits 2014/15 bei »Was ist Draußen?« – der Stadtteil Berlin-Hellersdorf an der U5. Die U5 verbindet aktuell zwei Großprojekte: die U5-Verlängerung in Mitte sowie das Stadtentwicklungsprojekt IGA Berlin 2017 in Hellersdorf. Beide Großprojekte haben erhebliche Auswirkungen auf ihr jeweiliges Umfeld. In Hellersdorf protestieren Anwohner_innen gegen die Bebauung des Naturschutzgebiets Kienberg für die IGA. 

Zentrales Aktionsfeld von »Mitte in der Pampa« ist die weitläufige Grünfläche bei U-Bhf. Cottbusser Platz, Hier werden in zeitlicher und räumlicher Nähe der IGA die Begriffe ›International‹, ›Garten‹ und ›Ausstellung‹ aus unterschiedlichen Perspektiven erkundet. Hellersdorf ist geprägt durch Menschen unterschiedlicher Herkunft: Neben einer steigenden Anzahl von Menschen mit Migrationshintergrund und Geflüchteten wohnen im Viertel viele ›Russlanddeutsche‹. Im Zuge des Bundeswahlkampfs 2013 instrumentalisierte die NPD Nachbarschaft und Medien gegen die neu eröffnete Gemeinschaftsunterkunft in der Nähe des U-Bahnhof Cottbusser Platz. Die Umgebung bilden DDR-Plattenbauten, der Regina-Hildebrandt-Park, eine Sporthalle, das Jugendzentrum U5 und eine Neubausiedlung. Tatsächlich war der Bezirksteil in den 1980er Jahren als Gartenstadt geplant worden. Heute gibt es wildes Gestrüpp und neu Gepflanztes, einen Bolzplatz und zahlreiche Trampelpfade. Hier erinnert eine Aluminiuminstallation daran, dass bei Ausgrabungen der Siedlungsursprung von Hellersdorf gefunden wurde: Vergangenheit, Gegenwart und künftiges Hellersdorf schieben sich ineinander. Die Grünfläche wird nun zum Ort des Austausches für Anwohner_innen und neue Öffentlichkeiten. Durch die Realisierung von prozesshaften künstlerischen Arbeiten sowie einem ›Garten ohne Grenzen‹ sollen Formen lokaler Aneignungspraxen und direkter Kommunikation befördert werden. 

Im Rahmen eines Vermittlungsprojekts der AG Kunst im Untergrund wird die Grünfläche als »Place Internationale« mit der künstlerischen Rekonstruktion einer Siegessäule markiert. Sie erinnert an Napoleons Siegessäule, die am 16. Mai 1871 auf dem Pariser Platz Vendôme durch die Kommunarden gestürzt wurde. Der Maler Gustave Courbet hatte den Denkmalsturz während der aufständischen Zeit der Pariser Commune maßgeblich initiiert. Er kritisierte politisch wie ästhetisch das Napoleons Eroberungsfeldzü­gen zugedachte Monument. Courbet ließ über den Rückbau demokratisch abstimmen und den Platz vor dem Sturz sogar mit Stroh und Mist auslegen. Daraufhin wurde der Platz feierlich in »Place Internationale« umgetauft: Paris erlebte eine Revolution der Stadt. 

Am 18.9. wird der Sockel der Säule auf der Grünfläche eingeweiht. Zu den späteren Veranstaltungen von »Mitte in der Pampa« wird die Säule auf der Grünfläche aufgerichtet und gestürzt.

Die erste Realisierung der vom Wettbewerb ausgewählten künstlerischen Arbeiten macht Elizabeth Wood aus Vancouver mit der dauerhaften Installation »A Migrant’s Journey« auf dem Bahnsteig des U-Bhf. Cottbusser Platz. Gedruckte Gedichtzeilen aus Wilhelm Müllers »Die Winterreise« von 1823/24 erzählen von einem jungen Mann, der sein Dorf verlässt, um Frieden zu suchen. In der Intervention stehen sie für mögliche heutige Erfahrungen von Migrant_innen an Orten wie Hellersdorf, an denen es spürbare Anfeindungen gegeben hat.

AG Kunst im Untergrund 2016/17Jochen Becker, Anna Gogonjan, Eva Hertzsch, Folke Köbberling, Adam Page, Valeska Peschke
Auch bis 18.9. zu sehen:
Ausstellung der internationalen Einreichungen zum offenen Kunstwettbewerb »Mitte in der Pampa«
in der Projektzentrale station urbaner kulturen, Cecilienplatz 5, 12619 Berlin-Hellersdorf, U5 Kaulsdorf-Nord 
Do – Sa 15 – 19 Uhr 
am So. 18.9. nach tel. Vereinbarung!

Mitte in der Pampa ist ein Projekt der neuen Gesellschaft für bildende Kunst in Kooperation mit dem Amt für Weiterbildung und Kultur Marzahn-Hellersdorfwird finanziert von Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Kunst im Stadtraum. 
Unterstützt von: BVG, Berliner Fenster, Draussenwerber, Wall, Lotto-Stiftung

  

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