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Berliner Woche: Masterplan für Ateliers soll Vertreibung von Künstlern verhindern

Beitrag von Klaus Teßmann am 30.10.2016

Das Tacheles an der Oranienburger Straße gibt es seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das Atelierhaus musste dem Wohnungsbau weichen. Und trotzdem kommen immer noch Touristen, die sich für die Arbeiten der Künstler interessieren

Das Tacheles ist ein Beispiel dafür, dass durch den Neubau von Wohnungen in der Innenstadt sowie steigende Mieten für Ateliers und Galerien viele Künstler verdrängt werden. Sie suchen oft neue Standorte in den Außenbezirken. Aber auch am Stadtrand werden Wohnungen in Größenordnungen gebaut, so dass sich die Suche immer komplizierter gestaltet.

„Kultur muss Bestandteil der Stadtentwicklung werden“, zu diesem Schluss gelangt der Atelierbeauftragte für Berlin, Florian Schmidt. Er will mit seinem „Masterplan Art Studios 2020“ dem Trend entgegenwirken, dass ein Gegensatz zwischen Kulturförderung und Wohnungspolitik aufgebaut wird. Schmidt fordert, dass die Förderung der Künstler, die Unterstützung für Ateliers nicht allein beim Kultursenator liegen dürfen. Es sei wichtig, dass sich der neue Senat auch für die Künstlerszene interessiert, denn es „geht um neue Arbeitsräume“.

Nach Schmidts Untersuchungen liegt das durchschnittliche Einkommen von Berufskünstlern zwischen 850 und 1000 Euro im Monat. „Die Hälfte aller Künstler kann monatlich maximal 250 Euro für ein Atelier aufwenden“, betont Schmidt. Mehr als 7400 Künstler würden derzeit in Berlin neue Atelierräume suchen. Dagegen verfügt die Berliner Atelierförderung nur über 870.

Im Masterplan sind 47 Standorte in ganz Berlin erfasst worden. Dazu gehören das „Panke-Quartier“ in Wedding und das „Haus der Statistik“ in Mitte. Letzteres steht seit acht Jahren leer. Dort wäre neben anderen Nutzungen auch Platz für 200 Ateliers. Schmidt verweist auch auf die Wiesenburg in Wedding. Das Gelände gehört zur landeseigenen Wohnungsgesellschaft Degewo. Zwei Ateliers gibt es dort bereits. Wenn auf dem Gelände gebaut wird, dann wäre dort ein Potential für 20 bis 40 Ateliers vorhanden. Das Gelände könnte sich zu einem Beispiel entwickeln, dass Handwerk, Gewerbe, Kunst und Kultur an einem Standort bleiben können und das neue Wohnquartier bereichern. Schmidt unterbreitet den Vorschlag, dass Räume auch kurzfristig angemietet und Künstlern zu erschwinglichen Preisen überlassen werden können.

Der Masterplan gibt auch einen Überblick der Standorte, an denen in den vergangenen 25 Jahren Künstler und Künstlergruppen leerstehende Häuser, Lagerhallen, ehemalige Fabriken oder Fabriketagen als Freiräume zu Ateliers und ganzen Atelierhäusern umgewandelt haben und zeigt Möglichkeiten, wie künftige Investoren Künstler in ihre Wohnprojekte einbeziehen könnten. „Der Masterplan ist ein Leitfaden, der vom neuen Abgeordnetenhaus und vom neuen Senat diskutiert werden muss“, betont der Atelierbeauftragte. Sein Ziel sei es, dass bis zum Jahr 2020 jährlich vier Millionen Euro für die Atelierförderung bereitgestellt und 2000 neue Ateliers in der Stadt geschaffen werden. „Das ist ein sehr großes Ziel, aber machbar“, kommentiert Schmidt. Er gehe davon aus, dass Künstler in den unterschiedlichen Sozialräumen ein wichtiger Faktor für die gesellschaftliche Entwicklung sind. Ohne Künstler könne man nicht von einer guten Lebensqualität in der Stadt sprechen.KT

  

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