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Think Big - Johannes Wendland im Zitty-Stadtmagazin über den Masterplan

erschienen 43-2016

Seit 2014 ist Florian Schmidt Berlins Atelierbeauftragter. Er will das Haus der Statistik am Alex mit 40.000 Quadratmetern für Künstler, Geflüchtete und Initiativen öffnen. Es wäre ein wichtiges Signal für die Stadt

In den Wochen nach einer Wahl verhandeln die Politiker und tummeln sich die Lobbyisten. Dann fallen gern solche Sätze: „Durch unsere Kontakte mit der Politik vertreten wir offensiv die Meinung, dass jetzt im Koalitionsvertrag die Basis für die zukünftige Ausrichtung gelegt werden soll.“

Florian Schmidt, der Berliner Atelierbeauftragte, ist ein solcher Lobbyist, ein Aktivist in Sachen Liegenschaftspolitik und Stadtentwicklung. Schmidt, 1975 geboren und studierter Stadtsoziologe, vertritt jetzt „offensiv die Meinung“, dass der Verkauf des Hauses der Statistik am Alexanderplatz – derzeit in Besitz von Bund und Land – an eine Genossenschaft aus Künstlern, Flüchtlings- und Bildungsinitiativen im Koalitionsvertrag festgeschrieben werden soll.

In der Woche vor der Wahl waren noch andere Signale aus der Politik zu vernehmen. Offensichtlich schlafende Hunde hatten Schmidt und seine Initiative zum Erhalt des Hauses mit dem Vorschlag geweckt, den seit 2008 leerstehende Gebäudekomplex mit rund 40.000 Quadratmeter Fläche in zentralster Lage in Ateliers, Wohnraum für sozial Benachteiligte und Flüchtlinge sowie in Begegnungs- und Bildungsräume umzuwandeln. Plötzlich interessierte sich auch Berlins Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) für das Ensemble, das einen formidablen Verwaltungsbau abgeben könnte. Kurz vor der Wahl hätte er dafür noch Nägel mit Köpfen machen können.

Schnell sammelte Schmidt seine Mitstreiter, zu denen etwa das Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZKU) und die Stiftung Zukunft Berlin gehören, holte bei den Parteien ein Stimmungsbild ab – und lud zur Pressekonferenz. Und dabei konnte er viel Unterstützung für seine Pläne verkünden, von der Bezirks-SPD, von Linken, Grüne, Piraten. CDU und AFD votierten für einen neuen Behördenstandort. Angesichts der sich abzeichnenden neuen Koalition jede Menge Rückenwind für die Initiative.

Rund 200 Ateliers könnten im Haus der Statistik Platz finden – und damit gerade mal rund ein Viertel des riesigen Gebäudes beanspruchen. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Umsetzung von Florian Schmidts „Masterplan“, bis 2020 nicht weniger als 2.000 neue Ateliers in Berlin zu schaffen. Ein Konzept dafür hatte Schmidt im August öffentlich gemacht. Es sieht eine Mischung von Strategien vor, wie dies zu schaffen sei: von der Anmietung von Ateliers auf dem freien Markt über die Nutzung und teilweise Umwidmung von landeseigenen Gebäuden und Liegenschaften bis zum Neubau von Atelierhäusern.

Für alles hat Schmidt Praxisbeispiele und durchgerechnete Modelle vorgelegt. So liegen Pläne für preisgünstige Ateliergebäude des Berliner Architekturbüros Raumlabor ausführungsbereit auf dem Tisch. Und zusammen mit anderen Sparten der Künste und der Kreativindustrie möchte Schmidt so genannte Art Factories konzipieren, die an größeren Gewerbestandorten entstehen könnten.

Die Zeit drängt, der Bedarf ist groß. Rund 7.500 Künstlern sind derzeit beim Atelierbüro des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK) Berlin als ateliersuchend eingetragen. In der Stadt gibt es derzeit 870 geförderte Ateliers. Die Zahl nimmt ab, weil Wohn- und Gewerbeimmobilien begehrt sind. Der Megatrend scheint gegen den Masterplan von Schmidt zu laufen. Von den 47 größeren Atelierstandorten mit etwa 1.200 Künstlerarbeitsplätzen in der Stadt, so führt der Masterplan auf, seien mittelfristig zwölf gefährdet. Zwischen Mitte 2014 und Mitte 2015 wurden fünf Standorte mit etwa 150 Künstlerateliers aufgelöst.

Doch Schmidt setzt auf politische Signale und öffentliche Mittel. Um die Zielmarke 2.000 Ateliers zu schaffen, müssten 2,6 Millionen Euro pro Doppelhaushalt mehr für verschiedene Fördermaßnahmen eingesetzt werden. Man kann sich gut vorstellen, wie derzeit die Telefondrähte glühen – und Schmidt gegenüber Entscheidungsträgern „offensiv die Meinung“ vertritt, dass diese Mittel gut angelegt wären in der Stadt.

  

Atelierbüro im Kulturwerk des bbk berlin GmbH

Köthener Straße 44

10963 Berlin

tel 030 230 899-21 Dr. Martin Schwegmann (Atelierbeauftragter)
tel 030 230 899-22 Birgit Nowack (Atelieranmietprogramm)
tel 030 230 899-23 Anna Fiegen (Atelieranmietprogramm)

tel 030 230 899-20 Kati Gausmann (Mietpreisgebundene Ateliers und Atelierwohnungen)


fax 030 230 899-19

atelierbuero@bbk-kulturwerk.de

 

Dienstag : 10.00 bis 13.00 Uhr
Donnerstag: 13.00 bis 16.00 Uhr
und nach telefonischer Vereinbarung

 

  Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Abteilung Kultur