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25 Jahre Anweisung Bau für Kunst am Bau

Bilanz und Perspektiven

Am Mittwoch, den 10. November 2004, um 19 Uhr veranstaltete das Büro für Kunst im öffentlichen Raum im Aktionsraum der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – einen Diskussionsabend zum Thema "25 Jahre Kunst im öffentlichen Raum".

auf dem Podium diskutierten 

Susanne Ahner (Künstlerin, Berlin)
Veronika Kellndorfer (Künstlerin, Berlin)
Thomas Flierl (Berliner Kultursenator)
Brigitte Lange (Kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin)
Klaus Baesler (Architekt)
Elfriede Müller (Kulturwerk GmbH, Büro für Kunst im öffentlichen Raum)
Monika Pemler (Baureferat Stadt München)
Annette Tietz (Bezirksamt Pankow von Berlin, Fachbereich Kultur)

 
Resümee der KiöR-Jahresveranstaltung 2004
25 Jahre Kunst im öffentlichen Raum in Berlin


Dass die Berliner Regelungen für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum noch erheblich ausbaufähig sind, zeigte die Jahresveranstaltung Kunst im öffentlichen Raum sehr deutlich. Der an diesem Abend durchgeführte Vergleich zu den Aktivitäten des Münchener Baureferats trug wesentlich zur Schärfung des Blickes bei. Dieser Vergleich unterstrich, dass der formalbürokratische Rahmen, wie er für die Realisierung von Kunst am Bau und im Stadtraum notwendig ist und von der Anweisung Bau in Berlin formuliert wird, auch den neuesten künstlerischen Tendenzen genügend Ansatzpunkte und kreativen Spielraum bieten muss. Erst dann wird die Kunst im öffentlichen Raum ihrem allgemeinen künstlerischen und kulturellen Bildungsauftrag gerecht.
Der Diskussionsabend zeigte aber auch weiter, dass die Anweisung Bau den beteiligten künstlerischen Fachbeiräten nicht genügend Freiraum für die Entwicklung künstlerischer Aufgabenstellungen lässt. Die strukturellen Vorgaben führen häufig dazu, dass der Beratungsausschuss Kunst vor bereits vollendete Tatsachen gestellt wird. Auf der einen Seite wird von den Beiratsmitgliedern ein hohes Zeitmaß des ehrenamtlichen Engagements verlangt. Andererseits werden die Empfehlungen des Beirats nicht konsequent genug umgesetzt.
Dass die derzeit in Berlin gültige Anweisung Bau trotz ihrer erst im Dezember 2003 erfolgten Neuformulierung also dringend einer weiteren Fortschreibung bedarf, dessen waren sich alle Diskussionsbeiträge am 10. November 2004 im Hamburger Bahnhof einig. Auch Kultursenator Thomas Flierl, der mit seiner Diskussionsteilnahme den hohen Stellenwert von Kunst im öffentlichen Raum unterstrich, regte eine weitere Überarbeitung der ABau an.
Die im Laufe des Diskussionsabends formulierten wesentlichen Punkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Anweisung Bau für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum muss noch konsequenter als bisher durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und die kommunalen Bauverwaltungen umgesetzt werden.
  • Eine künftige Anweisung Bau muss sowohl dauerhafte als auch temporäre Kunstprojekte am Bau und im Stadtraum ermöglichen.
  • Der für die Kunst zur Verfügung stehende Ansatz muss haushaltstechnisch übertragbar sein.
  • Die Veranschlagung von Mitteln für Kunst am Bau und Kunst im Stadtraum muss bei vielfältigen öffentlichen Baumaßnahmen erfolgen, und nicht nur bei einer kleinen Zahl von Repräsentativbauten, wie das bisher der Fall ist. Auch bei Maßnahmen des Tiefbaus und Landschaftsbaus Kunst realisiert werden.
  • Kunst am Bau und Kunst im Stadtraum müssen auch im Falle von privatisierten öffentlichen Baumaßnahmen in städtebaulichen Verträgen gesichert werden.
  • Baumaßnahmen, die aus Sondermitteln der Europäischen Union und des Bundes realisiert werden, müssen in die Anweisung Bau integriert werden.
  • Öffentliche Baumaßnahmen, die durch private – freie – Träger (Krankenhäuser, Wissenschaftseinrichtungen usw.) ausgeführt werden, müssen ebenfalls in die Anweisung Bau integriert werden.
  • Die Auswahl der öffentlichen Investitionen, an denen Kunst realisiert wird, sollte durch die künstlerischen Fachbeiräte erfolgen.
  • In den künstlerischen Fachbeiräten, besonders im Beratungsausschuss Kunst (BAK), müssen Künstlerinnen und Künstler sowie Vertreter der Fachöffentlichkeit stärker als bisher repräsentiert sein.
  • Der Beratungsausschuss Kunst (BAK) als höchstes, die Berliner Senatsverwaltungen in allen öffentlichen Kunstfragen beratendes Gremium, sollte zur Erlangung eines größeren Gewichtes verwaltungsunabhängig sein.
  • Für Sicherung und baulichen Unterhalt der bestehenden Kunst im öffentlichen Raum sollte ein fester Etat bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung eingerichtet werden.
  • Die auf der Grundlage der Anweisung Bau geschaffene Kunst im öffentlichen Raum sollte durch aktive Öffentlichkeitsarbeit des staatlichen Auftraggebers bekannt gemacht werden.

Die Fülle der am Diskussionsabend aufgeführten Anregungen verdeutlicht die dringende Notwendigkeit zu einer weiteren Fortschreibung der Anweisung Bau. Das Büro für Kunst im öffentlichen Raum der Kulturwerk GmbH des bbk berlins wird sich auch künftig für eine grundsätzliche Verbesserung dieser Arbeitsbedingungen für Künstlerinnen und Künstler engagiert einsetzen.

Büro für Kunst im öffentlichen Raum
13.12.2004

Pressestimmen

die tageszeitung
12.11.2004
Zartes Pflänzlein Kunst am Bau
Seit 25 Jahren regelt in Berlin die "Anweisung Bau" das Thema Kunst am Bau. Seit 25 Jahren regelt die Anweisung das gerade nicht, kritisieren Künstler und fordern Pflichten auch für private Bauträger
Von Rolf Lautenschläger

(...)
Elfriede Müller, Leiterin des "Kulturwerks", Büro für Kunst am Bau, hat am Mittwochabend in der Veranstaltung "25 Jahre Kunst am Bau" im Hamburger Bahnhof die Geschichte von der kostenlosen, aber abgelehnten Kunst erzählt - und nicht mal große Verwunderung geerntet.
Nicht nur, dass schlechte finanzielle Bedingungen herrschen und administrative Verantwortungslosigkeiten, etwa in den Bezirken, gang und gäbe sind. In Berlin fehlen auch der glasklare Wille und das Erleben für einen wesentlichen Aspekt der Kunst, der, wie die SPD-Kulturpolitikerin Brigitte Lange sagte, "Arbeitsplätze für Künstler sichert und die Öffentlichkeit mit Kunst vertraut macht".
Es gibt zwar in Berlin mit der 25 Jahre alten Verwaltungsvorschrift der Senatsbauverwaltung "Anweisung Bau" Regelungen zu Vorbereitung und Auswahl von Kunst am Bau oder an öffentlichen Plätzen. Auch ist dort dargelegt, welche Gremien in der Kulturverwaltung, Beratungsrunden mit Künstlern und Kulturschaffenden oder gar Kuratoren über Projekte entscheiden. Und es werden 1-3 Prozent der Bausumme für das Kunstwerk reserviert. Zugleich muss man in der Realität feststellen, kritisierten Müller, Lange und die Künstlerin im Beirat, Susanne Ahner, unisono, dass dies nicht zwingend auch zu Kunst am Bau führe.
(...)
"Es gibt keine Klärung über Kunst am Bau für öffentliche Bauherren, Architekten und Künstler, was eigentlich bei der Planung geschehen müsste", sagte der Architekt Klaus Baesler. Gerade Architekten fühlten sich von den Künstlern oft "anmaßend" behandelt. Außerdem hängt alles am Geld: Rutschten Bauwerke - was mittlerweile fast alle tun - in die roten Zahlen, erinnerte der Architekt, bedienten sich Bauherren und Architekten aus der Kunstkasse. Geld für die Künstler ist am Ende dann nicht mehr da. Schließlich hielten sich private Bauherren, aber auch private Bauträger, die öffentliche Gebäude realisierten, kaum an die "Anweisung".

Nach Ansicht von PDS-Kultursenator Thomas Flierl muss insbesondere auf diesen Wandel in der Praxis öffentlichen Bauens reagiert werden. "Wenn sich die Bauträgerschaft verändert hat, muss das nicht heißen, dass das Thema Kunst am Bau sich erledigt." Vielmehr sollten die neuen Ansprüche debattiert werden. Was auch bedeuten "könnte, dass neue Regelungen nötig werden". Eine Evaluierung der "Anweisung" wäre die Folge.
Es ist unter Künstlern Usus, dass der "Diskussionsstand über Kunst am Bau in Berlin eingeschränkt ist", so die Künstlerin Veronika Kellndorfer. In München ist das anders, wie Monika Pemler vom Bauamt München berichtete. Das "Münchner Modell", wo der staatlich festgelegten Kunstförderung und der Diskussion und Praxis um Kunst am Bau breiter Raum gegeben wird, ist auch für Berlin ein Exempel. "Warum geht es dort zack, zack, hier nicht?", fragte ein Zuhörer. Pemlers Antwort: Es liegt an den Verfahren "und der Kunst und den Künstlern selbst", Kunst am Bau zum Ereignis - und nicht zum Problem - zu machen. Das ist wohl wahr.


Berliner Morgenpost
12.11.2004
Das Paradies liegt in München
Hamburger Bahnhof: Diskussion über 25 Jahre Kunst im öffentlichen Raum
Von Uta Baier

(...) in München wird längst praktiziert, was Kultursenator Thomas Flierl anläßlich einer Diskussion über "25 Jahre Kunst im öffentlichen Raum in Berlin" am Mittwoch im Hamburger Bahnhof als kühnen Entwurf, als Ziel eines neuen Denkens skizzierte.
Flierl gab zu bedenken, daß jede öffentliche Baumaßnahme - ob Schule, Feuerwehrhäuschen oder Kabelverlegung - von Kunst begleitet werden könnte. Das klingt mutig, neu, kunst- und künstlerfreundlich, denn längst ist jedem klar, daß Kunst im öffentlichen Raum sich nicht mehr auf das Relief an der Wand, den Brunnen vor der Tür, die Figur in der Ecke beschränkt, sondern auch ein temporäres Projekt sein kann. Doch der Senator klang nur so lange revolutionär, bis Monika Pemler vom Baureferat der Stadt München zu erzählen begann, wie München das Problem mit dem Geld und der Kunst im öffentlichen Raum löst. Aus Künstlersicht perfekt nämlich und aus Sicht des Gesetzes, das eine Beteiligung von Künstlern an öffentlichen Baumaßnahmen vorsieht, vorbildlich. Denn bereits seit 1985 ist man sich in München einig: mit jeder öffentlichen Baumaßnahme ist, wie auch in Berlin vorgeschrieben, Geld für Kunst verbunden - egal ob Tunnel gebaut werden, Kanäle entstehen oder auf dem Betriebshof der Müllabfuhr etwas erneuert wird. Staunend hörte sich das Publikum (...) Monika Pemlers Bericht über das Projekt der Künstlergruppe "Empfangshalle" an, die zusammen mit den Münchner Müllwerkern zum Thema Heimat arbeiteten.
Von so etwas hat man in Berlin noch nicht gehört. Hier geht es trotz vieler Bemühungen noch immer darum, wer die Kunst pflegt und wartet, ob temporäre Kunstprojekte anerkannt werden und daß die sogenannte "Anweisung Bau" erweitert werden muß. Denn wenn privat finanzierte öffentliche Bauten entstehen, können die privaten Geldgeber nicht zu Kunst am Bau gezwungen werden. Jedenfalls bisher nicht in Berlin. In München schafft man auch das "mit viel Charme und zwei hübschen jungen Mitarbeiterinnen, die die Bauherren von der Kunst überzeugen können", sagt Monika Pemler.
Charme in München, Resignation in der Hauptstadt. Denn wenn das Geld knapp für den Bau reicht, wird der Etat für die Kunst gern mit verbaut, beklagte die Künstlerin und Kunsthochschullehrerin Susanne Ahner, die auch im Beratungsausschuß Kunst sitzt. Die Arbeit dort scheint allerdings nicht sehr produktiv, denn Ahner erzählte eigentlich nur von Problemen mit Architekten und Finanziers, die alle daran interessiert sind, das Geld für die Kunst verschwinden zu lassen. Und von Künstlern, die sich benachteiligt fühlen, weil die Auftragsvergaben nicht transparent genug seien.
So wird es wohl in Berlin weiter dabei bleiben: Die Künstler aus aller Welt wohnen und arbeiten hier, doch ihr Kunst verwirklichen sie für andere Städte.
(...)

  

Büro für Kunst im öffentlichen Raum im Kulturwerk des bbk berlin GmbH

Köthener Straße 44
10963 Berlin

Elfriede Müller (Leitung) • Tel: 030.230899-31
Martin Schönfeld • Tel: 030.230899-30
Britta Schubert • Tel: 030.230899-47

Fax: 030.230899-19

e-mail: kioer@bbk-kulturwerk.de

Sprechzeiten nach Vereinbarung

 

  Mit freundlicher Unterstützung der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Abteilung Kultur