Das Soziale und die Kunst
Die Rolle der Kunst im Programm Soziale Stadt
Rainer Ernst (Vorsitzender des Beratungsausschuss Kunst bei der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur)
Ephraim Gothe (Senatsverwaltung für Stadtentwicklung)
Katharina Kaiser (Haus am Kleistpark, Fachbereichsleiterin Kultur Tempelhof-Schöneberg)
Brigitte Lange (Kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion
im Abgeordnetenhaus von Berlin)
Inge Mahn (Künstlerin, Kunsthochschule Berlin-Weißensee)
Elfriede Müller (Kulturwerk GmbH, Büro für Kunst im
öffentlichen Raum)
Annette Tietz (Bezirksamt Pankow, Fachbereich Kultur, Galerie Pankow)
Theo Winters (Geschäftsführer STERN GmbH)
Künstlerinnen
und Künstler verstehen ihre Arbeit im öffentlichen Raum zunehmend als
eine soziale, kommunikative und partizipatorische Aktion. Projekte wie
parc fiction (Hamburg) oder Bataille Maschine (Kassel) haben dies
eindrucksvoll belegt. Kunst im öffentlichen Raum geht über die reine
ästhetische Setzung hinaus und thematisiert Fragen der Kulturgeschichte,
der sozialen Lebensbedingungen und der Stadtentwicklung. Künstlerinnen
und Künstler setzen dabei auf den Dialog mit ihren Rezipienten und
betrachten die Beteiligung ihres Umfeldes als einen wichtigen
Bestandteil ihrer Arbeit. Damit dringen sie in den Grenzbereich des
politischen Aktivisten, Sozialarbeiters oder Animateurs vor.
Die
Bundesregierung hat Ende der 1990er Jahre mit dem Programm Soziale Stadt
eine neue Perspektive für eine kommunikative und soziale
Stadtentwicklung eröffnet. Dieser Gedanke wurde von der SPD-Berlin in
ihrem Programm „Für eine demokratische und soziale Stadtpolitik“ im
Frühjahr 2005 besonders hervorgehoben: „Umgekehrt kann Kultur zum
Integrationsfaktor werden, Künste können Teilhabe an der kulturellen und
gesellschaftlichen Entwicklung ermöglichen und Raum bieten zur
Darstellung sowie zum Erkennen der Identität (...) sie schaffen Anlässe
für integrative Partnerschaften.“
Allerdings wird von Seiten der
Politik die künstlerische Aktion im öffentlichen Raum gerne auf
Soziokultur reduziert. Eine kommunikative Aktion stellt gleichzeitig
eine selbständige künstlerische Arbeit dar. Kunst im öffentlichen Raum
ermöglicht als vorrangig ästhetischer Wert durch Partizipation erst
kulturelle Kommunikation und soziale Identifikation. Künstlerische
Aktionen im öffentlichen Raum leisten einen wesentlichen Beitrag für
eine soziale Stadtpolitik. Welche Potenziale die Kunst für eine soziale
Stadtpolitik eröffnet, wird am 16.11.05 im Hamburger Bahnhof diskutiert.
Leitfragen des Abends sind:
- Welchen Stellenwert können künstlerische Aktionen im öffentlichen Raum im Rahmen des Programms Soziale Stadt einnehmen?
- Welche Probleme stellen sich für Künstler und ihr Rollenverständnis im sozialen öffentlichen Raum?
- Wie geht die Verwaltung bei der Umsetzung des Programms Soziale Stadt mit künstlerischen Projekten um?
- Welche Auswahlstrukturen wären für Kunst im Programm Soziale Stadt wünschenswert?
- Welche Potenziale für künstlerische Arbeit können im Rahmen des Programms Soziale Stadt noch erschlossen werden?
Der Diskussionsabend soll die Möglichkeiten, aber auch die Probleme von partizipatorischen und kommunikativen Kunstprojekten im öffentlichen Raum thematisieren und den Blick für ein erweitertes Verständnis von Kunst im öffentlichen Raum schärfen.
Mittwoch, 16. November 2005, um 19 Uhr
Aktionsraum der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin
Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin
Mit freundlicher Unterstützung der Kulturverwaltung des Landes Berlin