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Zur Atelierförderung in Berlin: RBB - Kommentar von Silke Henning 22.04.08
Anmod. 2004 war schon einmal beinahe Schluß: Das Programm des Berliner Senats zur Atelierförderung wurde wegen der Haushaltsnotlage fast gestrichen. Nur dank zusätzlicher EU-Mittel und Geldern aus Wohnungsbauförderung und Stadtsanierungsprogramm konnten Künstlern weiterhin subventionierte Arbeitsräume zur Verfügung gestellt werden. Der anziehende Immobilienmarkt verdüstert jedoch die Aussichten, dass das in Zukunft so bleiben wird. Auch wenn die Entscheidung erst Ende nächsten Jahres ansteht, schon jetzt wird es für die Künstler immer enger: Denn die bisherige Praxis der Stadt, im Gegenzug für günstige Mieten, sehr langfristige Verträge für geeignete Räumlichkeiten anzubieten, ist für viele Vermieter angesichts steigender Nachfrage nicht mehr attraktiv. Kann sich die ‚Kunst-Metropole' Berlin leisten, ihre Künstler ‚im Regen stehen zu lassen' und auf Atelierförderung zu verzichten? Silke Hennig kommentiert. Toll, dieses Berlin: So kunstsinnig - so viele Museen, Sammler, eine Kunst-Biennale, ein Art-Forum, immer mehr internationale Galerien und natürlich internationale Künstler, die sich hier zumindest einen Zweit-Sitz zulegen. Das sind die, von denen wir hören und lesen - die ihre großzügig bemessenen Ateliers allein bezahlen können und mit denen sich Berlin nur zu gern schmückt: Die Olafur Eliassons, Mona Hatoums, Wolfgang Tillmans und wie sie alle heißen, die Berlin noch zwei Kontinente entfernt als Kunst-Metropole erkennbar machen. Wollte man das Ganze als Kuchen betrachten, wären sie sozusagen das Triebmittel, das diesen Kunst-Teig luftig aufgehen lässt. Für Geschmack und Bindung aber - wie jeder Bäcker weiß - sorgen die übrigen Zutaten und dazu gehört in diesem Falle ganz wesentlich die lokale Kunstszene. Zwei oder drei Dutzend Kunstmarktstars alleine, dafür würden sich hier keine neuen Galerien ansiedeln, keine Sammler nach Berlin kommen. Berlin bietet eine Mischung - und die scheint vielen z.Z. (noch) sehr attraktiv: So attraktiv, dass andere Nationen - auch andere Bundesländer wie selbst das kleine, hochverschuldete Bremen -Räume anmieten, um ihren Künstlern hier Atelier-Stipendien zu spendieren. Und Berlin? Gibt bislang 1,2 Millionen Euro dazu, damit geschätzte 5 % der hier lebenden Künstler ihr Atelier bezahlen können - für maximal 8 Jahre, in denen der Einzelne immer wieder die ‚berufliche und soziale Dringlichkeit' seines Atelierbedarfs nachweisen muß, dann kommt ein anderer dran. Eine große Unterstützung für eine Berufsgruppe, in der bestenfalls 5 von Hundert von ihrer Arbeit leben können, ist das nicht. Würde es da wirklich etwas ausmachen, wenn man die Künstler gleich ganz sich selbst und dem ‚freien Markt' überließe? Allerdings. Und nicht nur, weil es zynisch anmutet, wenn jetzt, wo es anscheinend aufwärts geht - jedenfalls mit den Mieten in Mitte oder Kreuzberg - ausgerechnet die Pfadfinder der Immobilien-Entwickler, die Künstler nämlich, die aufgezeigt haben, was man aus alten Fabriken und Gewerbehöfen machen kann, dort hinausgedrängt werden. Denn auch wenn andere Städte, mit denen Berlin sich gern vergleicht - New York oder London -sich ebenfalls wenig um ihre Künstler scheren: Diese unbestreitbaren Metropolen leben nicht in so hohem Maße von einem Image, noch dazu einem, das fast ausschließlich auf Kunst und Kultur fußt. Für das, was Berlin z.Z. international so anziehend macht, ist die Vielfalt, die Fülle der Möglichkeiten in diesem Bereich entscheidend, der auf einer lebendigen, lokalen Kunstszene ruht. Wie gesagt, es kommt nicht nur auf Hefe oder Rosinen, sondern auf die Mischung insgesamt an. Die Stadt kann dafür nicht viel mehr tun, als zu versuchen, Voraussetzungen zu schaffen. Aber das muß sie tun - im eigenen Interesse. | |||||
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