Aktuelles   -  Über den bbk   -  Kontakt
deutsch   -   english   -   français   -   español

Offener Brief
zum entwürdigenden Umgang mit dem Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1933 von Micha Ullmann auf dem Bebelplatz

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Nehring-Venus,
Sehr geehrter Herr Staatssekretär André Schmitz,
Sehr geehrter Herr Bezirksstadtrat Gothe,

als Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin protestiere ich vehement gegen den Umgang mit dem Kunstwerk "Bibliothek" von Micha Ullman auf dem Bebelplatz.
Das in den Boden eingelassene Mahnmal ist unter dem platzgreifenden Zelt der "Fashion Week" verschwunden und der Zugang zu diesem Ort nur noch unter schwersten Bedingungen möglich. Dieser respektlose und entwürdigende Umgang mit einem Mahnmal und herausragendem Kunstwerk, das breite internationale Anerkennung genießt, veranlasst mich, Sie dringend aufzufordern, den Bebelplatz als einen Ort der Kultur und Erinnerung zu schützen und mit dem Kunstwerk und seinem Künstler würdig umzugehen. Ich fordere Sie auf, dem mahnenden Gedenken auf dem Bebelplatz den öffentlichen Raum zu gewährleisten, den es in einer demokratischen Gesellschaft verdient, die sich mit ihrer Vergangenheit verantwortungsvoll auseinandersetzt.
Ich appelliere an Sie, kommerzielle Nutzungen dieses Ortes nicht mehr zu genehmigen, die demokratischen Fachbeiräte für Kunst im öffentlichen Raum, welche die Stadt, das Land und seine Stadtbezirke beraten, in die Wahrung der Würde des Ortes mit einzubeziehen und verbindliche Beschlüsse zu fassen, um derartige Peinlichkeiten in Zukunft ausschließen zu können.


Mit freundlichen Grüßen

Herbert Mondry
(Vorstandsvorsitzender)



sehr geehrter herr schuster,

herr mondry hat mir ihre mail weitergeleitet. ich bin beauftragte für kunst im öffentlichen raum des bbk berlin und deshalb auch mit diesem platz befasst. der beirat für kunst im stadtraum im bezirk mitte und der beratungsausschuss kunst bei der senatskanzlei kulturelle angelegenheiten hat zwei empfehlungen verabschiedet, die die bezirks- und landesverwaltung auffordern den platz nicht mehr für eine kommerzielle nutzung freizugeben und bei einer kulturellen nutzung das einverständnis des künstlers einzuholen.
wir gehen davon aus, dass die zuständigen verwaltungen in zukunft an diese empfehlungen halten werden. im bezirk mitte wurde darüber hinaus ein negativ-positiv katalog für den öffentlichen raum erarbeitet, bei dessen anwendung der bebelplatz auch nicht mehr kommerziell zu nutzen ist. all das bedeutet natürlich nicht, dass man nicht weiter wachsam bleiben muss, denn der öffentliche raum und seine nutzung bleiben ein umkämpftes terrain widerstreitender intressen.


mit freundlichen grüßen

elfriede müller
(leitung des büros für kunst im öffentlichen raum)


 

bbk berlin e.V.

Köthener Straße 44
10963 Berlin


tel 030 230899-0
fax 030 230899-19

info@bbk-berlin.de